Stand: 02.05.2021 12:04 Uhr

"Ans Licht bringen, was im Schatten ist"

von Julia Heyde de López
Die mexikanische Journalistin Carmen Aristegui während einer Demonstration in Mexiko-Stadt. © Itzél Plascencia López / Amnistía Internacional México Foto: Itzél Plascencia López / Amnistía Internacional México
Die mexikanische Radiojournalistin Carmen Aristegui kämpft seit Jahren für die Pressefreiheit.

Sie ist eine der wichtigsten Stimmen Mexikos: Die Radiojournalistin Carmen Aristegui. Ihr Credo: "Ans Licht bringen, was im Schatten ist." Seit Jahren kämpft sie für eine unabhängige Presse. Die Filmemacherin Juliana Fanjul hat Carmen Aristegui über vier Jahre begleitet und ihr einen Dokumentarfilm gewidmet: "Silence Radio".

"Seit ich klein war, habe ich Carmen im Radio gehört", erzählt die Regisseurin. "Auch später, als ich in der Schweiz studierte, habe ich ihr Programm im Internet gehört. Doch dann verschwand ihre Stimme." 2015 war das. Die Nachrichtensendung von Carmen Aristegui war von einem Tag auf den anderen eingestellt worden - trotz höchster Einschaltquoten. Weil die Journalistin den damaligen Präsidenten Mexikos kritisiert und staatliche Korruption offengelegt hatte. Wer über Bestechlichkeit, Straflosigkeit oder das Versagen der Justiz in Mexiko berichtet, wird häufig bedroht, erklärt Juliana Fanjul.

Journalisten riskieren ihr Leben für die Wahrheit

"Die Situation ist gravierend. Mexiko ist das Land mit den meisten ermordeten Journalisten, obwohl es sich nicht im Krieg befindet. Es ist wichtig, dass die internationale Gemeinschaft darum weiß und ein Auge darauf hat. Das hilft uns. Pressefreiheit ist ein Thema, das uns beschäftigen muss, denn davon hängt unsere Demokratie ab."

Die große Kathedrale auf Mexico Citys zentralem Platz, dem Zocalo. © Julia Heyde de López
In Mexiko ist die Situation für Journalist:innen weiterhin gravierend.

Heute, am 3. Mai, ist der Internationale Tag der Pressefreiheit. Der erinnert daran, wie in Mexiko und vielen anderen Ländern um diese Freiheit gerungen wird. Und welch ungeheuren Mut diejenigen aufbringen, die für die Wahrheit ihr Leben riskieren. Juliana Fanjul glaubt, dass Carmen Aristegui sich bewusst dafür entschieden hat, nicht mehr über ihr persönliches Risiko nachzudenken. "Sie konzentriert sich auf ihre Arbeit. Und sie selbst sagt: Angst muss dich schützen, dich aufmerksamer machen. Aber sie darf dich nicht lähmen."

Der Dokumentarfilm "Silence Radio" ist ein bewegendes Porträt, ganz nah dran an seiner Protagonistin, die hartnäckig immer wieder ans Licht bringt, was im Schatten ist. Und die sagt: "Optimismus ist eine moralische Pflicht." Sie bewahrt sich und ihren Hörerinnen und Hörern den Glauben und die Hoffnung, dass es besser werden kann. Letztes Jahr gewann der Film den Menschenrechtspreis zweier christlicher Medienverbände. Jetzt ist er mit deutschen Untertiteln auf verschiedenen Online-Plattformen verfügbar.

Steg am See im Sonnenuntergang. © Jenny Sturm/fotolia Foto: Jenny Sturm
AUDIO: Moment mal (3 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 02.05.2021 | 09:12 Uhr

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