Sendedatum: 19.04.2019 09:20 Uhr

Gott gab Anne Frank Kraft und Mut

von Oliver Vorwald
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Der Anne-Frank-Raum im Museum in Amsterdam zeugt vom schwierigen Leben der Familie.

Amsterdam, Prinsengracht 263. Vor der dunkelgrünen Haustür mit dem Namen "Anne Frank" posieren immer wieder Mädchen für ein Foto. In der Luft liegt ein heiteres Stimmengewirr aus vielen Sprachen. Rund um das Museum zum Leben des jüdischen Mädchens geht es zu, als wäre dies die Residenz eines Popstars. Drinnen allerdings herrsche andächtige Stille, erzählen Anna Buck und Andreas Köster. Im Haus, wo sie versteckt war, da höre man nichts mehr, nur noch Menschen flüstern, und es sei sehr ruhig - eine ganz andere Atmosphäre. "Ich muss zugeben, am Ende hatte ich auch schon ein bisschen mit den Tränen zu kämpfen, weil es einem doch auf den Magen schlägt", sagt Köster.

Der Krieg veränderte alles für die Familie Frank

Jährlich besuchen Tausende das Anne-Frank-Haus in Amsterdam in der Prinsengracht: Von 1942 bis 1944 verstecken sich hier die Franks und vier jüdische Niederländer vor den Nazis. In dieser Zeit entsteht auch das berühmte Tagebuch. Im August 1944 wird das Versteck verraten. Rul Heidema lebt in Amsterdam. Er beschreibt das Verhältnis zu diesem besonderen Ort folgendermaßen: Das Mädchen sei ja als kleines Mädchen aus Frankfurt gekommen und habe sich hier sehr wohl gefühlt. Und sie habe es gut gehabt, bis zum Krieg.

Anne Frank suchte Kraft bei Gott

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Anne Frank dokumentiert im berühmten Tagebuch das Leben im Versteck.

Eigentlich macht die Familie Frank alles richtig. Bereits 1934 ziehen sie von Frankfurt nach Amsterdam. Aber 1940 besetzt Deutschland die Niederlande. Zwei Jahre darauf beziehen die Franks das Versteck im Hinterhaus in der Prinsengracht. Acht Personen, auf engstem Raum zusammen, Tag und Nacht beieinander. Konflikte. Eine Kraftquelle in dieser Zeit ist für Anne Frank ihr Glaube. Das Tagebuch dokumentiert eindrucksvoll das religiöse Seelenleben des Mädchens: "Ohne Gott wäre ich schon längst zusammengebrochen. Ich weiß, dass ich nicht sicher bin, ich habe Angst vor den Zellen und Konzentrationslagern, aber ich fühle, dass ich mutiger geworden bin und in Gottes Armen liege."

Wenige Monate nach diesem Eintrag darauf wird das Versteck im Hinterhaus der Prinsengracht 263 verraten. Alle acht Personen deportiert. Im Frühjahr 1945 stirbt Anne Frank - mit nur 15 Jahren - im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 19.04.2019 | 09:20 Uhr