Zeitzeichen

23. August 1933

Donnerstag, 23. August 2018, 20:15 bis 20:30 Uhr, NDR Info

33 emigrierten prominenten NS-Gegnern wird die Staatsbürgerschaft entzogen
Ein Beitrag von Almut Finck (WDR)

Lion Feuchtwanger und Heinrich Mann, Rudolf Breitscheid, Alfred Kerr, Ernst Toller, Philipp Scheidemann oder Wilhelm Pieck. Diese Nazi-Gegner waren gerade noch rechtzeitig geflohen. Aber in einem letzten bürokratischen Strafakt spuckten die braunen Machthaber ihnen gleichsam symbolisch hinterher. Sie entzogen ihnen die Staatsangehörigkeit - und sorgten dafür, dass jeder im Reich davon wusste.

Eine erste Liste mit sogenannten Ausgebürgerten wurde am 23. August 1933 vom Innenminister erstellt und zwei Tage später im Deutschen Staatsanzeiger veröffentlicht. Die Regimekritiker waren nun vogelfrei, ihre Pässe nicht mehr gültig, ihr Vermögen wurde konfisziert. Insgesamt wurden über 39.000 Deutsche in den 12 Jahren der Nazidiktatur aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgestoßen, wie es im Jargon der Zeit hieß. Stets standen die Namen der Betroffenen in der Zeitung, zuletzt - kaum zu glauben - noch im April 1945, als das Dritte Reich längst in Trümmern lag.