Zeitzeichen

21. September 1558

Freitag, 21. September 2018, 20:15 bis 20:30 Uhr, NDR Info

Der Todestag von Kaiser Karl V.
Ein Beitrag von Hans Conrad Zander (WDR)

Als Kaiser Karl V. 1555 in Brüssel zurücktrat, gab er lediglich bekannt, dass er an einer Krankheit leide, "der kein Mensch auf die Dauer widerstehen kann". Es war die Gicht, das wussten alle, "die Krankheit der Könige". Ob es aber wirklich die Gicht war, die ihn drei Jahre später das Leben gekostet hat?

Um hier Klarheit zu schaffen, schien es nötig, den Sarkophag zu öffnen, in dem der Leichnam Karls V. ruht. Dazu allerdings hatte das spanische Königshaus die Erlaubnis verweigert. Da fügte es sich, dass im Escorial-Palast ein kleines Reliquiar gefunden wurde. In schwarzem Samt enthält es das äußerste Glied seines kleinen Fingers. Mediziner der Universität Barcelona haben es untersucht und das Ergebnis veröffentlicht. Die Bilder zeigen ein Fingerglied, das von Harnsäure-Nadeln völlig zerfressen ist. "Gicht schlimmsten Grades", lautet die moderne Diagnose. Gestorben ist Karl V. dennoch an etwas anderem. Sein Leibarzt schrieb von "Fieber". In Barcelona wurde Malaria als Todesursache festgestellt. Ihm, in dessen Reich "die Sonne nicht unterging", ist der Stich einer winzigen Mücke zum letzten Verhängnis geworden.