Stand: 03.05.2019 11:25 Uhr

Nachruf auf Karl-Heinz Harenberg

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Karl-Heinz Harenberg hat die NDR Sendereihe "Streitkräfte und Strategien" geprägt.

Die Sicherheitspolitik und die Bundeswehr - das waren die Themen von Karl-Heinz Harenberg, der bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2001 verantwortlicher Redakteur der NDR Sendereihe "Streitkräfte und Strategien" war. Praktisch sein ganzes Berufsleben hat er sich mit internationalen Konflikten und dem Zustand der deutschen Streitkräfte beschäftigt. Auch wenn er selbst nie bei der Bundeswehr war: Karl-Heinz Harenberg kannte die Streitkräfte wie nur wenige Journalisten. Nun starb er im Alter von 82 Jahren.

"Ein Journalist mit Haltung"

Mit seinem kritischen Ansatz hat Harenberg "Streitkräfte und Strategien" entscheidend geprägt. Der Journalist wollte sicherheitspolitische Debatten unter anderem über Atomwaffen, Rüstungsprojekte und Militärkonzepte nicht einem kleinen Kreis von Experten überlassen. Er verschaffte auch anderen Meinungen und Gegenpositionen Gehör. Harenberg stellte kritische Fragen, nahm kein Blatt vor den Mund.

"Karl-Heinz Harenberg war im besten Sinne unbequem, ein Journalist mit Haltung", sagt Claudia Spiewak, Chefredakteurin des NDR Hörfunks und Programmchefin von NDR Info. "Er stand in hervorragender Weise für das, was man zu Recht vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk erwartet: für kritischen und unabhängigen Journalismus."

Unmut bei der Bundeswehr

Harenberg thematisierte immer wieder Ungereimtheiten und Widersprüche, hinterfragte offizielle Positionen der Militär- und Sicherheitspolitik. Manchmal sehr zum Ärger von Vertretern der Bundesregierung oder der Bundeswehr. Stichworte sind unter anderem die Nachrüstungsdebatte in den 1980er-Jahren, der Kosovo-Krieg ohne UN-Mandat, der sogenannten Hufeisenplan und die Abwicklung der Nationalen Volksarmee der DDR nach der Deutschen Einheit.

Sinn von Großübungen infrage gestellt

Immer wieder Thema waren vor dem Fall der Mauer auch die regelmäßigen Großmanöver in Ost und West. So auch 1978 in einem Interview von Harenberg mit dem Verteidigungsstaatssekretär Andreas von Bülow. Harenberg stellte den Sinn dieser massiven Übungen infrage. Das Interview sorgte schließlich für Unmut bei dem damaligen NATO-Oberbefehlshaber Alexander Haig. Er intervenierte bei Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD). Die Bundesregierung sei der NATO in Rücken gefallen, so der Vorwurf.

Ein Porträtbild von Karl-Heinz Harenberg. © NDR Foto: Detlef Drischel

Harenberg: Massierung von Großmanövern eine Zumutung?

NDR Info - Streitkräfte und Strategien -

Karl-Heinz Harenberg thematisierte im Interview mit dem damaligen Verteidigungsstaatssekretär Andreas von Bülow die wechselseitigen Bedrohungsvorwürfe von NATO und Warschauer Pakt.

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Bericht brachte Harenberg eine Angezeige ein

In den 1970er-Jahren berichtete Harenberg über einen chilenischen Offizier, der an der Führungsakademie in einem kleineren Kreis in einer Rede den damaligen Militärmachthaber Augusto Pinochet über den Klee gelobt hatte. Der von den Militärs gestürzten Regierung von Salvador Allende warf der chilenische Oberstleutnant vor, die Ermordung von Offizieren und Oppositionellen geplant zu haben. Die Tonaufnahmen  waren Harenberg zugespielt worden. Der Bericht brachte ihm eine Anzeige ein. Das Verfahren wurde allerdings später eingestellt.

"Schwieriger Journalist" wurde geschätzt

Am Rande von NATO-Tagungen kam es gelegentlich vor, dass der damalige Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Wolfgang Altenburg, mit einem Sendemanuskript in der Hand, heftig mit Harenberg über bestimmte Textpassagen diskutierte. Altenburg hat Harenberg dann auch als einen "schwierigen Journalisten" bezeichnet. Zugleich schätzte der Vier-Sterne-General den Redakteur, weil die von ihm betreute Sendereihe einen wichtigen Beitrag leiste zur Streitkultur über die Sicherheitspolitik.

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Die Reihe Streitkräfte und Strategien setzt sich kritisch mit Fragen der Sicherheits- und Militärpolitik auseinander. 14-tägig sonnabends um 19.20 und sonntags um 12.30 Uhr. mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Streitkräfte und Strategien | 04.05.2019 | 19:20 Uhr