Stand: 28.06.2018 14:27 Uhr

Fortnite: Kein Jugendschutz bei Download-Spiel

von Tobias Nowak

Das Battle-Royale-Genre ist derzeit das erfolgreichste in der Welt der Computer- und Videospiele. Das Prinzip bei diesen Spielen lautet: jeder gegen jeden. Um zu gewinnen gilt es, als Letzter zu überleben. Besonders erfolgreich ist das Spiel Fortnite, das auch schon 10-Jährige spielen - zum Entsetzen mancher Eltern. Denn eine verlässliche Altersbeschränkung finden sie nicht.

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Jeder gegen jeden: Das ist das Prinzip von Battle-Royale-Spielen wie Fortnite.

Die Ausgangssituation der Battle-Royale-Spiele ist einfach und folgt meist einem Schema wie diesem: 100 Gamer - oder viel mehr ihre Avatare - landen mit Fallschirmen auf einer einsamen Insel, mit Wäldchen, Hügeln und vielen leerstehenden Gebäuden. Ziel des Spiels ist es, alle anderen zu eleminieren und so als einziger übrig zu bleiben. Das Problem: Die 99 Mitspieler haben das gleiche Ziel und wehren sich mit Schrotflinten, Maschinengewehren und Raketenwerfern.

Auch bei Fortnite ist das so, dem derzeit angesagtesten Game: Weltweit stürzen sich etwa 125 Millionen Menschen über Videokonsole, PC, Tablet oder Handy in die Gefechte, bis zu zwei Millionen Spieler sind gleichzeitig online. Unter ihnen viele Kinder, wie der 10-jährige Raphael.

Eltern beobachten Verhaltensveränderungen

"Dann bin ich einfach mal zu einem Freund gegangen und wir haben bei ihm gezockt. Das hat mir so Spaß gemacht, dass ich irgendwie sofort süchtig geworden bin", erzählt Raphael. Er habe einfach immer weiter Fortnite spielen wollen. "Dann saß ich zu Hause und das war echt irgendwie schlimm für mich, weil ich halt nicht konnte."

Als Raphael schließlich selbst eine Playstation bekommt und beginnt, Fortnite zu spielen, ist die Wirkung für die Eltern erschreckend. Raphael habe wie ein Hampelmännchen gewirkt, erinnert sich seine Mutter Marilyn Janssen. "Er hat wirklich neben sich gestanden. Gleich am ersten Tag ist das dann so ein bisschen eskaliert."

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Schwer bewaffnet kämpfen die Avatare bei Fortnite gegeneinander.

Für sie war vor allem die Verhaltensänderung ihres Sohnes auffällig: Der sonst umgängliche Raphael wurde leicht zornig, unverschämt und vor allem sehr laut. "Und wenn er von dem Spiel aufsteht, ist er wirklich total überdreht", sagt sie.

Fortnite ist in einem bunten, cartoonhaften Stil gestaltet, die meisten Avatare haben eine positive Ausstrahlung. Die sympathischen Spielfiguren halten aber realistisch wirkende Schusswaffen in Händen. Und so werfen Kinder oft zum ersten Mal einen Blick durch ein Scharfschützenzielfernrohr, wenn auch nur virtuell. Viele Eltern irritiere das, berichtet Torben Kohring, Leiter der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW. "Denn sie können keine verbindliche Alterskennzeichnung finden."

Altersbeschränkung nur für Spiele auf Datenträgern

Kohring hat in den vergangenen Monaten eine regelrechte Flut an Anfragen von Eltern und Lehrern bekommen, die wissen wollen, wie sie mit dem Spiel umgehen sollen. Das Problem: Die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle), die Alterskennzeichungen für Videospiele vornimmt, hat zwar das Grundspiel von Fortnite erst ab zwölf Jahren freigegeben - aber den stark kompetitiven Battle-Royale-Ableger, in dem nur einer von 100 Spielern überlebt, hat sie nicht bewertet. Denn Alterbeschränkungen erhalten in Deutschland nur Games, die auf Datenträgern verkauft werden. Download-Spiele wie Fortnite Battle Royale unterliegen hingegen keiner Kennzeichnungspflicht.

Der Spielratgeber NRW, ein Projekt der Fachstelle für Jugendmedienkultur, urteilt, dass das Spiel ab 14 Jahren problemlos gespielt werden könne. "Es gibt keine explizite Gewaltdarstellung, es gibt kein Blut. Es geht letzlich nicht darum, sich an der Gewalt zu ergötzen", erklärt Torben Kohring.

Letzten Endes müssen Eltern aber selbst beurteilen, welche Spiele für ihre Kinder geeignet sind und welche nicht. Um das herauszufinden, empfehlen Fachleute, die Spiele selbst auszuprobieren, am besten mit den Kindern zusammen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 03.07.2018 | 15:55 Uhr