Stand: 24.02.2018 00:00 Uhr

Großstadt-Melancholie à la Isolation Berlin

Vergifte dich
von Isolation Berlin
Vorgestellt von Henning Cordes, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
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Das Album "Vergifte dich" von der Band Isolation Berlin ist beim Label Staatsakt (Universal Music) erschienen.

"Das ist unser unpersönlichstes Album!" - Tobi Bamborschke kann so einen Satz problemlos raushauen. Seine Band Isolation Berlin aus - tatsächlich - Berlin bringt in diesen Tagen mit "Vergifte dich" streng genommen erst ihr zweites Studioalbum heraus. Und weil das erste so sehr persönlich ist, dass der Hörer zwischendrin den Bamborschke am liebsten in den Arm nehmen möchte: Nur deswegen passt das Label unpersönlichstes für das immer noch ziemlich persönliche Album Nummer zwei.

Da mag Bamborschke auch einen Schmunzler dazugeben, einen Wink zu all den Künstlern der Popgeschichte mit ihren ach so allerpersönlichsten Alben: Er hat es gar nicht nötig, hier was herunterzuspielen. Niemand wird ihn wegen Falschaussage verurteilen.

Außenseiter-Rock und ein bisschen Pop

Ganz so sehr haben sich Isolation Berlin zwischen 2016 und 2018 gar nicht verändert. Da ist erst einmal Bamborschke, dieser Romantiker, der das richtige Leben im falschen zu suchen scheint und der seine Suche in einer dahingeschlufften Berliner Art vorträgt, die manchmal zur großgestigen Künstlerpose auswachsen kann - in seiner Stimme schwingt dann ein wenig Theaterschwere mit.

Sie fällt in ein Bett Außenseiter-Rock, der sich für den gelegentlichen Glittersprenkel aus dem Poptopf nicht zu schade ist. Die Plattenfirma vergleicht Isolation Berlin mit den TV Personalities und Primal Scream, während alle Welt sie doch nur wieder mit Rio Reiser vergleichen möchte.

Beguckt man sich die Band aus dem Winkel Bamborschkes, über Text, Gesang, Attitüde, dann passt das leider wirklich zu Reiser. Von dem Vergleich halten die Jungs allerdings nicht viel. Hoffen wir mal, dass sie das jetzt nicht lesen.

Das eigene Ding machen

Das ist natürlich auch ein bisschen gemein. Da will eine junge Band einfach nur ihr eigenes Ding machen und kriegt irgendeinen Großpapa des Deutschrock übergebraten, von dem es heißt, er hätte noch früher den Soundtrack für die auf Krawall gebürsteten Teile der Bundesrepublik Deutschland geschrieben.

Aber das haben vermutlich nicht mal die Eltern der isolierten Berliner bewusst miterleben können. Lassen wir sie doch einfach mal machen. Der Klang von Isolation Berlin passt ohnehin nicht nach 1973, sondern ins Jahr 2018 - hier am Beispiel der Single "Kicks":

Die Band öffnet sich der Welt

Auf "Vergifte dich" öffnen sich Isolation Berlin etwas mehr der Welt. Zwar durchzieht das Album noch immer die altbekannte Melancholie - mal einsam, mal apathisch -, aber Tobi Bamborschke scheint zumindest mit seiner Trennung durch zu sein, was sich im gelegentlichen Kick aus dem Ich-Gegrübel zeigt.

Es sind leichte Schritte heraus aus der Isolation. Wenn das heftiger einreißen sollte, müssen sie sich vielleicht irgendwann umbenennen - womöglich in Connection Berlin oder Escape to Brandenburg. Aber ganz so weit ist es dann doch noch nicht.

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Vergifte dich

Genre:
Alternative / Pop / Soul / Funk
Label:
Staatsakt (Universal Music)
Veröffentlichungsdatum:
23. Februar 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 19.02.2018 | 23:05 Uhr