Stand: 15.02.2019 11:41 Uhr

The Gloaming sezieren den Folk

The Gloaming 3
von The Gloaming
Vorgestellt von Ralf Dorschel, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
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Das Album "The Gloaming 3" von The Gloaming erscheint beim Label Real World Records.

Kleckern, bloß nicht klotzen. Keine großen Gesten, keine Dramatik. Keine anzüglichen Trinklieder, keine verschwitzten Tänze in rustikalen Pubs. Wenn The Gloaming Folk spielen, sezieren sie ihn. Seine Regeln, seine Fundamente. Und dann finden sie eine neue Sprache für die uralten Formen - analytisch und weit weg von einschlägigen Angeboten für Hardcore-Fans.

Was nicht heißt, dass The Gloaming nicht als Sensation dieses Feld aufrollten. Seit acht Jahren hinterlässt das Quintett tiefe Spuren, spielt heute weit über die Heimat-Insel hinaus in den größten Hallen. Was viel mit der Geschichte der Band zu tun hat.

Vier Folk-Stars und ein Außenseiter ...

Als The Gloaming vor acht Jahren auf der Bildfläche erschienen, da fühlte sich das seltsam an: Vier Folk-Stars aus Irland und den USA, die mit einem Bein fest verwurzelt sind in den Traditionen gälischer Musik und mit dem anderen Bein schon seit Jahren neues Land suchten; die Steve Reich hörten, Arvo Pärt und den Postrock von Tortoise oder Sigur Rós.

Und dazu ein Außenseiter: der US-Pianist Thomas Bartlett, unter eigenem Namen und als Doveman eine Größe, genau da, wo gehobene Rockmusik ausfranst in freie Klänge, in die Avantgarde, ins Risiko. Bartlett hat in den vergangenen Jahren als Produzent und Begleiter für Acts wie The National, Sufjan Stevens, Rhye, Yoko Ono, Joan as Policewoman und Anna Calvi gearbeitet.

Ein roter Faden durchzieht das neue Album

Gemeinsam ging man den Folk vom Kopf her an, spielte ihn einerseits mit einer bis dahin selbst in diesem alten Genre unerhörten Brillanz. Andererseits aber führte man all die Balladen, Jigs und Reels aus ihrer Komfortzone und hinein in eine Grenzzone zu Neuer Musik und auch Post-Rock.

In einem Wechselspiel zwischen den Live-Auftritten und Studio-Sessions entstanden die ersten beiden Alben. Nummer drei ist jetzt anders, ist durchzogen von einem roten Faden. Es geht The Gloaming "um das Ritual des Todes und des Lebens".

Trauern und Loslassen

Neue Lyrik des irischen Poeten Liam Ó Muirthile - geschrieben wenige Wochen vor seinem Tod im Mai 2018 - sorgt ebenso für die Texte wie alte Volkslieder über das Trauern und Loslassen.

Sänger Iarla Ó Lionaird (Popfans kennen ihn von den Alben des Afro Celt Sound Systems) hat diese Worte musikalisch umgesetzt, Thomas Bartlett hat in seinem Studio in New York für die atmosphärische Finesse gesorgt. Bartlett "saugt jede Energie auf, die ich zum Ausdruck bringe, und dann sendet er sie an mich zurück mit dem Druck und der Kraft, mit der er Klavier spielt".

Ohne Getöse und Gefühligkeit

Die beiden Künstler bildeten den Kern von "The Gloaming 3" - der Rest kam dann erst später in Manhattan dazu. Gemeinsam ging man "in eine Klangwelt in der sich Mosaiken aus allen möglichen Welten verbinden", so Ó Lionaird. Immer mit dem Ziel vor Augen, "den Tod als Möglichkeit zu sehen, das Leben zu feiern". Ohne Getöse und Gefühligkeit. Ganz vom Kopf her gedacht von einer der faszinierendsten Bands unserer Tage.

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The Gloaming 3

Genre:
Irish Folk/Minimal
Label:
Real World Records
Veröffentlichungsdatum:
22. Februar 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 18.02.2019 | 23:05 Uhr