Stand: 16.09.2017 00:00 Uhr

Ariel Pink und die zerplatzten Träume von L. A.

Dedicated To Bobby Jameson
von Ariel Pink
Vorgestellt von Henning Cordes, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
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Das Album "Dedicated To Bobby Jameson" von Ariel Pink ist beim Label Mexican Summer erschienen.

Bobby Jameson war tot - zumindest bis 2003. Als er ein junger Mann war, hieß es, es werde einmal etwas ganz Gewaltiges aus ihm, der nächste große Popstar der USA. Das war in den 60ern. Von der Presse gefeiert, von echten Stars gefördert, wurde aus Jameson aber trotzdem nichts. Ein Bilderbuch-Hippie: immer wieder vollgepumpt mit Drogen und Hang zu falschen Entscheidungen; zu politisch für den Mainstream und von der Plattenindustrie mehrfach beschissen.

Schließlich hatte er genug und flüchtete aus der ach so angesagten Szene von Los Angeles. Es war ein kompletter Bruch. Während Jameson sich über Jahrzehnte in einer Wohncontainersiedlung bei seiner Mutter abschottete, hielten ihn seine alten Gefährten irgendwann für tot. Ein Musikjournalist holte Jameson mithilfe von Privatdetektiven schließlich wieder ans Licht: 2003, da war er 58.

Wie aus einem Song von Pink ausgeschnitten

"Sein Leben hallte in mir so stark nach, dass ich fühlte, ich muss ihm mein neues Album widmen." Auch Ariel Pink kommt aus Los Angeles. Als Bobby Jameson, frisch wiedergefunden, in Form einer grauhaarigen Kuriosität YouTube entdeckte und von seinem Leben und Abstieg erzählte, war Pink von Anfang an ein aufmerksamer Zuhörer. Dieser miesgelaunte Althippie wirkte wie aus einem Song Pinks ausgeschnitten: zerstörte Träume, Narzissmus und Probleme mit sich selbst klarzukommen - der Dunst Hollywoods. Davon singt Pink schon seit fast zwei Jahrzehnten.

Viel Liebe für Pop und Spielkram

Es ist also konsequent, dass Ariel Pink sein neues Album gerade so einem Mann widmet: Doch "Dedicated To Bobby Jameson" reicht über den einfach gezogenen Hut hinaus. Die 13 Songs markieren aufeinander folgende Stationen in Jamesons Leben. Normalerweise beginnt so etwas mit der Geburt. Hier geht es aber von hinten los: mit der Wiederauferstehung, ganz so wie 2003. Es ist eine Reise durch vielversprechende, aber dann doch zerbrechende Romanzen, über schamerfülltes Bereuen von Exzessen und Selbstmordgedanken.

Der Trip ist eingebettet in Pinks gewohnten Mix zwischen 60er-Jahre-Garagenrock und 80er-Synthpop: seltsam sphärisch verschmolzen. Seine Musik klingt wie von einer ausgeleierten Lieblingskassette gerettet. Ariel Pink ist immerhin fast 40, kennt so was also noch. Hinter dem gewollt schäbigen Sound steckt aber viel Liebe für Pop und Spielkram.

Was Bobby Jameson von all dem hält, ist leider nicht bekannt. 2015 ist er wirklich gestorben. Aber so ganz sicher kann man sich bei dem ja nie sein ...

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Dedicated To Bobby Jameson

Label:
Mexican Summer
Veröffentlichungsdatum:
15. September 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 18.09.2017 | 23:05 Uhr