Stand: 03.03.2019 00:00 Uhr

Tim Bowness liebt die musikalischen Details

Flowers at the Scene
von Tim Bowness
Vorgestellt von Ralf Dorschel, NDR Info Nachtclub & Nightlounge
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Das Album von Tim Bowness ist beim Label Inside Outmusic (Sony Music) erschienen.

Kein Visionär, kein Charismatiker, kein radikaler Neudenker: Tim Bowness werkelt am liebsten irgendwo in den Kulissen. Und wenn man ihn dann auch noch auf eine Bühne stellt, wirkt er sichtbar verloren und ein wenig hilflos - als rockende Rampensau ist der 55-jährige Brite eben auch denkbar ungeeignet. Was Bowness zu einem der hartnäckigsten Geheimtipps der Rockmusik macht - und zu einem der am besten vernetzten.

Keine Zugeständnisse an den Zeitgeist

Wenn der Sänger ins Studio einlädt, kommen Ian Anderson von Jethro Tull, Robert Fripp von King Crimson, Phil Manzanera von Roxy Music und natürlich Steven Wilson.

Mit dem früheren Front-Mann von Porcupine Tree hat Bowness sich schon früh zusammengetan: Gemeinsam betrieb man fast 20 Jahre lang das Minimal-Pop-Duo no-man. Purer Pop-Feinschliff war das: minimale Effekte, maximale Wirkung.

Und seit die ihren Betrieb eingestellt haben, sucht der Sänger sein Heil bei oft eher obskuren Projekten wie den Pop-Avantgardisten Henry Fool, den Elektronikern Centrozoom oder den italienischen Schwermütern nosound. Und natürlich auf Solo-Alben - alle mit größter Liebe zum Detail geschrieben und inszeniert, alle durchaus hörerfreundlich, aber alle auch völlig frei von irgendwelchen Konzessionen an den Zeitgeist. Chanson meets Art-Rock: Der Stoff, aus dem solche Geheimtipps nun mal sind.

Auf "Flowers At The Scene" sind nun neben Steven Wilson auch Kevin Godley (Godley & Creme), Andy Partridge (XTC) und das Rock-Enfant-terrible Peter Hammill im Boot. Gerade Hammill ist ein Traumpartner für Bowness: Niemand singt wie der frühere Van der Graaf Generator-Mann, niemand klingt so direkt, so persönlich, so intim, so brutal.

Ein Platz in den Nischen des Rock-Business

Wenn man mit einem derart egozentrischen Stil weiterkommt, muss da auch ein Platz für Tim Bowness sein - so dachte sich Bowness schon Ende der 80er-Jahre in den Anfängen seiner Karriere. Und wagte sich mit hingeflüsterten Bekenntnissen vor die Mikros.

Als sich dieser völlig eigene Stil herumsprach, lud ihn Italiens Diva Alice ein, aber auch Richard Barbieri (Japan & Porcupine Tree) und Judy Dyble (Fairport Convention). Der Eigenbrötler suchte sich seinen Platz in den Nischen des Rock-Business - frei von jeder Rücksicht auf Vermarktungsstrategien. Lieber nimmt Bowness den Handel selbst in die Hand: Heute betreibt er mit Freunden sehr liebevoll den Vertrieb "Burning Shed" - und der wurde längst zur allerersten Adresse für neue Prog-Alben, alte Yes-Boxen und rares King Crimson-Vinyl.

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"Mir geht's immer nur um Schlichtheit, um das Einfache und Klare"

Und jetzt eben auch für die Rückkehr von no-man: Nicht als Band - dafür hat Steven Wilson viel zu viel um die Ohren -, aber als Produktions-Team für "Flowers At The Scene" - das damit zur Fortsetzung der alten Idee mit neuen Mitteln wird: "Als Songs wie 'Borderline' und "The War On Me' entstanden, waren wir uns beide einig, dass das mehr als nur eine Wilson/Bowness-Zusammenarbeit ist - dies hier ist no-man." Nur halt durch die Hintertür.

"Produced by no-man, mixed by Steven Wilson, no-man is Tim Bowness and Steven Wilson", so steht das jetzt hinten auf dem Cover. Und es passt: All die Eleganz, all die Reduktion, "Flowers At The Scene" steht in einer Linie mit alten Klassikern wie "Returning Jesus" und "Together We're Stranger": "Mir geht's immer nur um Schlichtheit, um das Einfache und Klare", sagt Bowness. Von Hit-Material sind die neuen elf Songs auch diesmal wieder weit entfernt. Aber den Status als eins der bestgehüteten Geheimnisse der Pop-Musik hat Bowness mal wieder mit aller Kraft verteidigt.

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Flowers at the Scene

Genre:
Singer-Songwriter-Pop
Label:
Inside Outmusic (Sony Music)
Veröffentlichungsdatum:
1. März 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 04.03.2019 | 23:05 Uhr