Stand: 06.12.2011 11:42 Uhr  | Archiv

... "Der blaue Reiter"?

von Nicole Ahles, NDR Info
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Wassily Kandinsky war einer der Gründer der Künstlergruppe "Der blaue Reiter".

"Der blaue Reiter" war eine Gruppe von Künstlern, die sich vor hundert Jahren zusammen tat, um gemeinsam ihre Bilder auszustellen und eine Kunstzeitschrift herauszugeben. Der blaue Reiter - das waren zwei Ausstellungen, ein Buch und der Beginn einer ganz neuen Kunstrichtung.

Wassily Kandinsky, ein Künstler aus Russland, und Franz Marc aus München saßen vor 100 Jahren in einem kleinen Kaffee in der Nähe von München zusammen. Hier hatten sie die Idee für den blauen Reiter. Beide Maler waren Mitglieder der Neuen Künstlervereinigung München, aber sie fühlten sich dort nicht mehr wohl. Kandinsky, der sogar der Chef der Künstlervereinigung war, wurde immer häufiger wegen seiner Bilder kritisiert. Der Grund dafür war ganz einfach: Kandinsky malte immer abstrakter. Das heißt, er malte die Dinge nicht mehr genau so, wie sie in der Natur aussehen, sondern ungenauer mit schwungvollen Linien und großen Farbflächen. Sein Freund Franz Marc malte am liebsten Tiere, aber auch nicht so, wie sie in echt aussehen. Er malte Pferde auf bunten Wiesen und auf einem seiner Bilder ist sogar eine gelbe Kuh zu sehen.

Heimlich eine eigene Ausstellung vorbereitet

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Auch Franz Marc war Maler und Mitbegründer der "Blauen Reiter".

Kandinsky und Marc beschlossen neben dem Buch auch eine eigene Ausstellung mit ihren Bildern zu machen und die Künstlervereinigung zu ärgern. Kandinsky malte ein riesiges Bild und bot es für eine Ausstellung der Münchner Künstler an - obwohl er genau wusste, dass sie es schrecklich finden würden. Und genau wie er gedacht hatte, wurde sein Bild für die Ausstellung abgelehnt. Heimlich hatte er aber mit seinem Freund Franz Marc und anderen Künstlern eine eigene Ausstellung mit ihren Bildern vorbereitet, die im gleichen Ausstellungshaus in München und sogar zur gleichen Zeit gezeigt wurde. Damit ärgerte er seine früheren Freunde vom Kunstverein ganz schön.

Einige Besucher spuckten auf die Bilder

Diese erste Ausstellung des blauen Reiter wurde in ganz Europa berühmt und später auch in mehr als zehn anderen Städten gezeigt. Viele Menschen wollten sie sehen, aber den meisten gefiel die neue Art zu malen nicht - ja mehr noch: Viele Besucher spuckten auf die Bilder, machten die Rahmen kaputt und versuchten sogar mit Messern die Bilder zu zerschneiden. Den Künstlern des "Blauen Reiters" machte das aber nichts aus - sie machten einfach weiter. Sie wollten, dass die Kunst sich weiterentwickelt und hatten keine Lust mehr nur die Natur abzumalen. Die Idee der abstrakten Kunst, die später auch Expressionismus genannt wurde, erklärten die Künstler in ihrem Jahrbuch "Der blaue Reiter".

Der Erste Weltkrieg sorgte für das Ende

Dieses Jahrbuch erschien nur ein einziges Mal, denn der Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 verstreute die Künstler in alle Winde. Wassily Kandinsky musste zurück in seine Heimat Russland, sein Freund Franz Marc zog in den Krieg und starb zwei Jahre später. Die Gruppe "Der blaue Reiter" gab es also nur wenige Jahre, aber sie hat die Kunst sehr verändert. Immer mehr Maler probierten die abstrakte Kunst aus und entwickelten sie weiter.

Franz Marc malte das Bild "Blaues Pferd I"

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Das Bild "Blaues Pferd I" wird auch heute noch in Ausstellungen gezeigt.

In diesem Jahr feiert "Der blaue Reiter" seinen 100. Geburtstag. Deshalb zeigen viele Museen in Deutschland Sonderausstellungen. In der Nähe von München gibt es ein kleines Haus, in dem es immer eine Ausstellung zum "Blauen Reiter" gibt. Es ist das Haus, in dem Kandinsky, Marc und ihre Freunde und Ehefrauen an dem Buch "Der blaue Reiter" geschrieben haben. Dieses Buch ist heute auf der ganzen Welt berühmt und in dutzende Sprachen übersetzt worden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Mikado | 11.12.2011 | 08:05 Uhr