Stand: 06.06.2018 12:39 Uhr

Was passiert, wenn die Wölfe zurückkehren?

Bild vergrößern
Die NDR Info Wissenschaftssendung "Logo" war wieder zu Gast im Haus der Wissenschaft in Braunschweig.

Inzwischen leben wieder etwa 800 Wölfe in Deutschland. Über die rasante Vermehrung der hierzulande einst ausgerotteten Tiere sind viele Menschen erfreut, andere betrachten die Rückkehr dieser Raubtiere aber auch mit Sorgen. Das wurde in der Diskussion im Haus der Wissenschaft in Braunschweig am Dienstag (05.06.2018) immer wieder deutlich, wenn das Publikum seine Fragen an die Experten auf dem Podium stellte.

Wie gefährlich sind die Wölfe wirklich? Welche Folgen hat ihre Rückkehr für uns? Können wir nur noch mit Angst durch Wälder spazieren?

Expertenrunde mit Moderatorin auf Podium  Fotograf: Martina Zeidler

Logo - Wissenschaft aus Braunschweig

NDR Info - Logo - Das Wissenschaftsmagazin -

In der Diskussionsveranstaltung "Logo - Wissenschaft aus Braunschweig" diskutierte Mayke Walhorn im Haus der Wissenschaft mit Experten über die Rückkehr des Wolfes.

4,69 bei 62 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Experten auf dem Podium geben Entwarnung

Für Menschen stellen die Wölfe eine viel geringere Gefahr dar als andere Tiere, denn sie haben eine angeborene Angst vor dem Menschen. Die dürfen sie allerdings nicht verlieren, betonte der Biologe und Direktor des Naturhistorischen Museums in Braunschweig, Ulrich Joger. Menschen sollten darum nicht damit beginnen, Wölfe anzufüttern und zu vergessen, dass es sich um Raubtiere handelt. Sonst könnte es zu Angriffen kommen. So lange Menschen den engen Kontakt zu diesen Tieren nicht suchen, gebe es aber keinen Grund für eine Furcht. In den vergangenen 20 Jahren gab es keinen einzigen Angriff dieser eher scheuen Tiere auf einen Menschen.

Wie gefährlich sind Wölfe wirklich?

Gefahr für Rehe und junge Wildschweine

Eine wirkliche Gefahr stellen Wölfe allerdings für die Tiere dar, die sie von Natur aus jagen und fressen. Dabei handele es sich hauptsächlich um Rehe und junge Wildschweine, von denen es in Deutschland große Überbestände gebe, erklärten die Experten.

Aber auch Schafe und Rinder können zu Beutetieren der Wölfe werden. Immer wieder ging es durch die Nachrichten: Zahlreiche Weidetiere wurden schon gerissen.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Schafherden oder andere Nutztiere zu schützen? Sollte die Einwanderung von weiteren Wölfen gestoppt oder durch eine geregelte Abschussquote reguliert werden? Fragen, die im Haus der Wissenschaft für eine angeregte Diskussion zwischen den Experten und dem Publikum sorgten.

Natürliche Regulierung der Wild-Überstände

Immer wieder ging es in der Veranstaltung auch um die positiven Auswirkungen der Rückkehr der Wölfe. Dass sie wieder in Deutschland leben, kann zur einer natürlichen Regulierung der Wild-Überstände führen, erklärten die Podiumsgäste. Sogar die Krankheitsverbreitung in der Tierwelt könnte sich durch die Existenz dieser zu unserem Ökosystem gehörenden Tiere verringern.

Tiere, die es hierzulande lange nicht gegeben hat, entdecken zur Zeit Deutschland wieder als Lebensraum. Und es werden mehr. Mit dieser Tatsache und dem zukünftigen Umgang müssen sich die Menschen in Deutschland auseinandersetzen.

Weitere Informationen

Lies lässt Cuxhavener Wölfe besendern

Ein Wolfsrudel im Landkreis Cuxhaven hat zuletzt - wie schon im Vorjahr - zahlreiche Nutztiere gerissen. Umweltminister Lies hat nun die Besenderung der Wölfe angeordnet. mehr

Wolf als Urlauberschreck? Touristiker widersprechen

Verhagelt der Wolf die Besucherzahlen der Tourismus-Regionen in Niedersachsen? Agrarministerin Otte-Kinast vertritt diese These, ohne Zahlen zu liefern. Lokale Touristiker widersprechen. mehr

Mehr mutmaßliche Wolfsrisse - Proteste am Deich

Hunderte Weidetierhalter haben am Sonnabend gegen die Ausbreitung von Wölfen in Niedersachsen demonstriert. Die Zahl der mutmaßlichen Risse im Land steigt derweil weiter an. mehr

Schafzüchter wollen Wölfe von Weiden vertreiben

Landesweit wollen Schafzüchter und Landwirte am Sonnabend für ein aktives Wolfsmanagement in Weidegebieten demonstrieren. Eine Forderung: Wölfe sollen dort abgeschossen werden dürfen. mehr

Neue "Wolfszentrale" für MV

Mehr Rissgutachter, zentrale Wolfs-Hotline: Das Agrarministerium reagiert auf die steigende Zahl der Wölfe und organisiert das Wolfsmanagement in Mecklenburg-Vorpommern neu. mehr

Es diskutierten:

  • Ulrich Joger, Direktor des Naturhistorischen Museums in Braunschweig
  • Raoul Reding, Wildbiologe und Wolfsbeauftrager der Landesjägerschaft in Niedersachsen
  • Matthias Vogelsang, Wolfsexperte und Wolfsbeauftragter in Hildesheim

Moderation: Mayke Walhorn, NDR Info

Die Reihe "Logo - Wissenschaftsmagazin aus Braunschweig" ist eine Gemeinschaftsveranstaltung von NDR Info, dem Informationsradio des Norddeutschen Rundfunks, mit der "Braunschweiger Zeitung" und dem Haus der Wissenschaft in Braunschweig.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Logo - Das Wissenschaftsmagazin | 08.06.2018 | 21:05 Uhr