Stand: 02.01.2018 15:49 Uhr

Kims Neujahrsansprache und die Folgen

Nach der von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un angedeuteten Dialogbereitschaft hat Südkorea Gespräche auf hoher Ebene angeboten. Als Termin sei der Führung in Pjöngjang der 9. Januar vorgeschlagen worden, sagte der südkoreanische Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon am Dienstag. Dabei könne über eine mögliche Beteiligung Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen in Südkorea gesprochen werden, aber auch über andere Themen zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen. Kim hatte in seiner Neujahrsansprache erneut mit einem Einsatz von Atomwaffen gedroht.

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Jürgen Hanefeld: "Es geht nicht um Sport, es geht um politische Interessen."

Ein Kommentar von Jürgen Hanefeld, ARD-Studio Ostasien

Normalerweise hält die Welt den Atem an, wenn Kim Jong Un erscheint. Geht es um Wasserstoffbomben, will er die USA vernichten oder nur Trump beschimpfen, fragt man sich alljährlich vor seiner Neujahrsrede. Aber dieses Mal war alles anders. Der Potentat wirkte ungewöhnlich gelassen, geradezu staatsmännisch. Sein heller Anzug suggerierte Leichtigkeit, selbst bei diesem Brocken. Und sein Gesichtsausdruck verriet: Ich bin angekommen. Natürlich ist das nur eine Pose, aber sie deckt sich mit dem Inhalt seiner Ansprache. Wie bereits vor vier Jahren angekündigt, erklärte er das Atomprogramm seines Landes für abgeschlossen. Nun gelte es, die Waffen in Serie zu produzieren.

Der jüngste Diktator der Welt sitzt fest im Sattel

Das alles wirkte erschreckend souverän. Sanktionen hin oder her, der jüngste Diktator der Welt sitzt fest im Sattel. Der zentrale Satz seiner Rede, dass die USA nie in der Lage sein würden, sein Land anzugreifen, weil es sich mit Atomwaffen wehren könne, dieser Satz hallt nach. Ob es ein Bluff ist, sollte man besser nicht austesten. Zur Selbstgewissheit, die Kim zur Schau trug, gehört auch das überraschende Angebot an Südkorea. Er sei bereit, seine Sportler an den olympischen Winterspielen in Pyeongchang teilnehmen zu lassen.

Es geht nicht um Sport, es geht um politische Interessen

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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un deutete Dialogbereitschaft mit Südkorea an.

Wie gelingt es ihm eigentlich, so gönnerhaft zu wirken, wo er doch in Wahrheit den Rest der Welt erpresst? In Seoul ist man schon eifrig dabei, den roten Teppich für die nordkoreanischen Athleten auszurollen, als müsse man dankbar dafür sein, dass die in großer Mehrheit nicht einmal qualifizierten Sportler antreten. Wenn es noch eines letzten Beweises bedurfte, dass Olympia alles anderes ist als unpolitisch, dann wurde er hier erbracht. Es geht nicht um Sport, es geht um politische Interessen.

Kim will versöhnlich wirken, und sein südkoreanischer Gegenspieler Moon Jae In ist sofort darauf eingegangen. Er hatte keine Wahl, als den Olivenzweig zu ergreifen, schließlich hatte er selbst die Einladung ausgesprochen. Während seine Mitarbeiter nun alles tun, um die Teilnahme der nordkoreanischen Athleten zu organisieren, blieb ihm nur noch der Hinweis auf seinen Wunsch, dass dies der Anfang einer neuen Beziehung sein möge und nicht ein Strohfeuer. Der Appell an den Norden, es dürfe nicht nur um Sport gehen, sondern auch um die Atompolitik, klang geradezu verzweifelt. Denn dass sich Kim sein mühsam und teuer erarbeitetes Nuklearprogramm so einfach wegverhandeln lässt, ist kaum zu erwarten.

Keine Seite darf ihr Gesicht verlieren

Aber vielleicht geht es auch eine Nummer kleiner. Vielleicht ist Kim Jong Un irgendwann zu Konzessionen bereit, sei es bei Familienzusammenführungen oder der Wiedereröffnung von Sonderwirtschaftszonen. Keine Seite darf schließlich ihr Gesicht verlieren.

Das sollte auch Donald Trump begreifen. Wenn Moon Jae In die alljährlichen Kriegsmanöver mit den USA bis nach Olympia verschieben will, um des lieben Friedens willen, dann sollte Trump das nicht verhindern.

Ein Mann blickt in Seoul/ Südkorea auf einen Fernseher, der eine Nachrichtensendung zu einem Raketenstart Nordkoreas zeigt. © dpa

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Trauer, Unterdrückung, Einsamkeit - die lange Geschichte der Kolonisierung, des Krieges und autoritärer Regime prägt das Lebensgefühl der Koreaner bis heute.

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NDR Info | Kommentare | 02.01.2018 | 18:30 Uhr