Stand: 28.02.2019 16:23 Uhr

Trump und Kim haben eine Chance vertan

In Hanoi ist überraschend der Gipfel zwischen den USA und Nordkorea ergebnislos zu Ende gegangen. Der Knackpunkt waren die Abrüstung und die Sanktionen. Welche Folgen hat das abrupte Ende des Treffens für die Beziehungen zwischen beiden Ländern?

Ein Kommentar von Kathrin Erdmann, Hörfunkkorrespondentin im ARD-Studio Tokio

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Kathrin Erdmann findet es richtig, dass nicht erneut eine inhaltsleere Vereinbarung unterzeichnet worden ist.

Der Tisch war gedeckt, das Essen gekocht, doch keiner nahm Platz. Obwohl Kim Jong-Un und Donald Trump nach den intensiven Gesprächen sicher Hunger gehabt haben dürften, ist mindestens einem von ihnen mittags plötzlich der Appetit vergangen. Das passiert schon mal, wenn etwas richtig quer läuft - und dann muss man eben auch aufstehen und gehen, sagte Trump.

Kein gemeinsamer Nenner

Nordkorea und die USA haben in der Abrüstungs- und Sanktionsfrage keinen gemeinsamen Nenner gefunden. Kim wollte zu viel haben und zu wenig geben, so lautet die einfache Erklärung der USA. Trump hat das - anders als man es von ihm sonst gewöhnt ist - klargestellt, jedoch auf einen anklagenden Ton verzichtet. Im Gegenteil. Beide Seiten seien sich nähergekommen und man werde im Gespräch bleiben, so der Tenor.

Natürlich ist der Gipfel, der so vielversprechend begonnen hatte, damit enttäuschend zu Ende gegangen. Denn auf den ersten Blick bleibt nichts. Einerseits. Andererseits ist es nur gut und richtig, nicht erneut eine inhaltsleere Vereinbarung zu unterzeichnen wie vor acht Monaten beim ersten Gipfel in Singapur. Davon hat niemand etwas und schon gar nicht Trump, der im kommenden Jahr als US-Präsident wiedergewählt werden möchte. So kommt er vielleicht relativ unbeschadet aus der Sache raus.

Kim Jong-Un unterschätzt?

Dennoch bleibt die Frage: Haben sich die USA verkalkuliert, den nordkoreanischen Machthaber gar unterschätzt oder war der zu naiv? Beide Seiten haben der Welt den Eindruck vermittelt, dass es vorangeht und man sich vermutlich einigen würde. Viele Gespräche wurden im Vorfeld geführt. All das, obwohl es ernstzunehmende Berichte gab, dass Nordkorea offenbar noch im vergangenen Jahr weiter Uran und Plutonium angereichert hat und auch zivile Einrichtungen für den Zusammenbau seiner Raketen nutzt. Und es war auch immer klar, dass das Raketen- und Atomprogramm die Lebensversicherung Kims ist - die USA ihm also Sicherheitsgarantien bieten müssen, damit er es aufgibt.

Keine weiteren Atomtests

Doch offenbar waren auch die USA nicht bereit, sich ausreichend zu bewegen. Immerhin: Es soll keine weiteren Tests geben, das hat Kim seinem Freund Trump in die Hand versprochen. Das könnte bedeuten, dass auch er den Gesprächsfaden mit den USA nicht abreißen lassen will, denn er hat ja auch nicht, was er möchte: sein Land aus der Isolation zu holen und wirtschaftlich voranzubringen. Das muss er jetzt auch den Nordkoreanern irgendwie verkaufen und seinen Generälen klarmachen.

Es wird spannend sein, zu sehen, ob die alte Anti-USA-Rhetorik, die es zuletzt nicht mehr in Nordkorea gab, nun wieder aufflammt - oder ob Kim auch Trump vertraut und auf Zeit spielt. Die hat er mit seinen gerade mal 35 Jahren allemal. Schade ist dennoch, dass sich beide Seiten nun auch immer noch im Krieg befinden. Das wäre ein wichtiges Signal der USA an Nordkorea gewesen - und auch an Südkorea, dass sich intensiv um einen Annäherung des Nachbarlandes bemüht. Eine vertane Chance.

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NDR Info | Kommentar | 28.02.2019 | 17:08 Uhr