Stand: 13.12.2017 14:07 Uhr

Schlimmste Entwicklung muss verhindert werden

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat mehr als 50 Staats- und Regierungschefs zu einem Klimagipfel in der Nähe von Paris empfangen. Das Treffen sollte helfen, die weltweiten Klimaschutzbemühungen voranzutreiben. Es sollte das Signal ausgehen, auch die Privatwirtschaft im Kampf gegen die Erderwärmung einzubeziehen, etwa durch mehr Investitionen in erneuerbare Energien. Vor zwei Jahren hatte sich die internationale Gemeinschaft in Paris auf ein Klima-Abkommen verständigt. Danach soll der durch Treibhausgase verursachte Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad beschränkt werden.

Ein Kommentar von Detlef Reepen, Westdeutscher Rundfunk

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Starke Investitionen in die fossilen Energien Kohle, Öl und Gas müssen aufhören, fordert Detlef Reepen.

"Das wird das größte Investitionsprogramm der Menschheitsgeschichte", sagte der damalige US-Außenminister John Kerry beim Weltklimagipfel vor zwei Jahren in Paris. Und genau das ist der Punkt: Es geht um eine Erneuerung der Wirtschaft, um Investitionen in eine nachhaltige Weltwirtschaft - und damit um Investoren.

Passend zu Macrons Klima-Finanzgipfel haben mehr als 200 Investoren, die zusammen 22 Billionen Euro - also nicht die amerikanischen "Billions", sondern echte Billionen - bewegen, sich zu Wort gemeldet. Sie wollen mit den internationalen Unternehmen, die ihnen zu großen Teilen gehören, in Klimaschutz investieren, und damit die Unternehmen modernisieren, für die Zukunft fit machen.

Schneller Abschied von der Kohle muss her

Ein schneller, wenn auch allein nicht ausreichender Schritt ist der Abschied von der Kohle, dem größten Klimakiller überhaupt. Zahlreiche institutionelle Investoren wie der riesige norwegische Pensionsfonds trennen sich von Wertpapieren, die etwas mit Kohleabbau und Kohlekraftwerken zu tun haben.

Das alles hat eine Dynamik entwickelt, die über das hinausgeht, was die Staaten im Pariser Klimaschutzabkommen versprochen haben. Wozu dann der Gipfel bei Macron, der vor allem Staaten und Städte mit Investoren und Industrieunternehmen zusammen bringt? Wenn es so viel Eigeninteresse der Finanzwirtschaft am Klimaschutz gäbe, dann müssten die in Paris versammelten Regierungschefs doch nichts mehr tun?

Fehlerhafte Investitionen müssen verhindert werden

Doch, müssen sie! Immer noch investieren öffentliche Entwicklungsbanken mehr in die fossilen Energien Kohle, Öl und Gas als in erneuerbare Energien. Das muss aufhören!

Unsere Volkswirtschaften können sich zwar nicht in kürzester Zeit auf Öko-Wirtschaft umstellen, aber Investitionsentscheidungen, die hohe CO2-Emissionen für Jahrzehnte festschreiben, sind Sargnägel beim Erreichen des Paris-Vertragsziels, bis 2050 CO2-neutral zu wirtschaften, um die schlimmste Entwicklung, dass sich die Erde um drei bis vier Grad erwärmt, noch zu verhindern, die ganze Regionen unbewohnbar machen und die Völkerwanderungen in Bewegung setzen würde, zu denen die gegenwärtige Flüchtlingswelle aus Afrika vergleichsweise "niedlich" wäre.

Paris ist genau der richtige Ort!

Wenn der Präsident der "Grande Nation" zum Klimafinanzgipfel nach Paris einlädt, dann hat das natürlich auch immer etwas von Selbstbeweihräucherung. Aber ich finde das in Ordnung. Dies ist die Stadt des historischen Klimaschutzvertrags, der die Welt vor dem Klimachaos retten soll.

Welch besseren Ort könnte es geben, hier jetzt auch die Investitionen einzuleiten, die das Pariser Klimaabkommen wetterfest machen? Das ist die beste Art von "Weltmachtpolitik", die ich einer "Grande Nation" zugestehen würde.

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NDR Info | Kommentar | 12.12.2017 | 18:30 Uhr