Stand: 20.11.2018 17:20 Uhr

Prügelnde Männer sollten schärfer bestraft werden

Fast jeden zweiten Tag wird in Deutschland eine Frau getötet. Der Mörder ist in diesen Fällen entweder der Partner oder der Exfreund. Betroffen sind laut Statistik alle sozialen Schichten. Die meisten Tatverdächtigen sind Deutsche. In vielen Fällen spielte Alkohol eine Rolle.

Ein Kommentar von Evi Seibert, ARD-Hauptstadtstudio

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Evi Seibert meint, dass Männer härter für Gewalt bestraft werden sollten.

"Dass quasi montags, donnerstags und sonntags eine Frau in Deutschland von ihrem Partner umgebracht wird, ist in einem modernen Land wie Deutschland eine unvorstellbare Größenordnung", sagt Familienministerin Franzsika Giffey (SPD). Sie hat am Dienstag Initiativen vorgeschlagen, dagegen vorzugehen. Mehr Geld für Frauenhäuser ist ein erster richtiger Schritt - erst mal Schutzräume für die Betroffenen zu schaffen. Aber das Problem liegt viel tiefer. Und muss viel größer angegangen werden.

Emotionen werden als strafmildernd angesehen

Warum schlagen Akademiker, Hilfsarbeiter, der nette Nachbar von nebenan- warum verprügeln, würgen, erstechen die ihre Frauen? Die Mehrzahl der Täter sind "Biodeutsche", sagt die Ministerin- als kleinen Hinweis für die, die meinen, die Zahlen würden nur deswegen steigen, weil wir mehr junge Zuwanderer aus Ländern haben, in denen Frauen sowieso weniger wert sind.

Also: warum prügeln und töten Deutsche Normalos ihre Frauen? Warum stirbt deswegen jeden zweiten Tag eine Frau? Das hat sehr viel damit zu tun, dass wir eben doch noch keine moderne Gesellschaft sind. Dass es immer noch an der vermeintlichen "Ehre" des Mannes kratzt, wenn ihn seine Frau verlässt. Dass er um einen veralteten Machtanspruch fürchtet, Macht die ihm automatisch gar nicht zusteht, die Herrschaft über den Rest der Familie. Es liegt auch an den Frauen, die das oft auch aus nachvollziehbaren Gründen zu lange schweigend ertragen, bis es zu spät ist. Und es liegt auch an den Gerichten. Viel zu oft wird dem Mann die Tat nachgesehen, weil seine Emotionen, seine Eifersucht vor Gericht als strafmildernd angesehen werden. Dabei ist die Verletzung, die einem jemand beibringt, der einmal das allergrößte Vertrauen gehabt hat, der der Vater der eigenen Kinder ist- das ist doch gerade für das Opfer unfassbar und müsste genau im Gegenteil strafverschärfend wirken.

Mehr Geld für Präventionsteams bereitstellen

Dazu kommen wir, die Öffentlichkeit. Häusliche Gewalt ist kein echtes Thema. Die letzte große Untersuchung dazu liegt Jahre zurück.  Frauen wollen nicht darüber reden, weil es nicht zum Bild der modernen Frau passt, geschlagen zu werden. Es wird weniger oft eingebrochen als geschlagen. Wir reden und schreiben täglich über Einbrüche und öffentliche Sicherheit - dabei lauert die größere Gefahr innerhalb unserer eigenen Wohnung.

Das muss sich ändern - und wir alle sollten unseren Teil dazu beitragen. Darüber sprechen, viel öffentlich sprechen, das Problem zu einem großen Thema machen. Unsere Söhne anders erziehen - unsere Töchter ebenfalls. Prügelnde Männer schärfer bestrafen und mehr Geld für Präventionsteams bereitstellen. Fast alle, die am Schluss von ihrem Partner ermordet worden sind, sind schon lange vorher geschlagen und bedroht worden. Es gibt ganz klare Punkte, mit denen sich Hochriskofälle erkennen lassen. Und Leben gerettet werden können.
Wir müssen da noch wesentlich besser werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 20.11.2018 | 18:30 Uhr