Stand: 07.03.2019 15:14 Uhr

Macht eine Frauen-Quote im Bundestag Sinn?

Vor genau 100 Jahren hielt zum ersten Mal eine Frau im deutschen Parlament eine Rede. Ist es an der Zeit, weiterzugehen und nun auch im Bundestag Geschlechterparität vorzuschreiben? Am 31. Januar hatte der Brandenburger Landtag ein Gesetz verabschiedet, welches die Geschlechterparität von Bewerbern auf Listen zu künftigen Landtagswahlen verbindlich vorschreiben soll.

PRO

"Männer werden einfach öfter gefragt, ob sie kandidieren": Isabel Reifenrath spricht sich für eine Frauen-Quote bei Wahlen aus.

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ARD-Hauptstadtstudio-Korrespondentin Isabel Reifenrath meint, eine Frauen-Quote für Parlamente würde das ganze Bild der Politik verändern.

Keine Frau will gewählt werden, weil sie Frau ist - aber Männer werden aufgestellt, weil sie Männer sind. Und das liegt daran, dass generell nur wenige Frauen zur Wahl stehen. 70 Prozent der Bundestagsabgeordneten sind Männer - nur 30 Prozent Frauen.

Männer suchen männlichen Nachwuchs

Alle wissenschaftlichen Studien zum Thema kommen zum gleichen Ergebnis: Hauptursache ist, dass politische Posten noch immer von Männern an Männer weitergegeben werden. Männer suchen Nachwuchs - am liebsten männlichen, und das bedeutet: Männer werden einfach öfter gefragt, ob sie kandidieren.

Frauen hingegen trauen sich nicht in die Politik zu gehen, um Listenplätze zu kämpfen oder sie glauben, sie schaffen es eh nicht, mit Kind, Wäsche und Schwiegermutter zu Hause.

Frauen machen anders Politik

Deshalb könnte ein Paritätsgesetz helfen, diesen Nachteil zu überwinden. Abgeordnete sind Vertreter der Gesellschaft, und die Gesellschaft besteht ja auch nicht zu 70 Prozent aus Männern. Frauen machen anders Politik, sie setzen andere Themen, führen Debatten schneller und offener. Ein 50/50-Anteil Männer und Frauen im Bundestag würde deshalb wahnsinnig viel verändern - das ganze Bild von Politik, die Wahlbeteiligung von Frauen könnte steigen, ihr Interesse an politischen Themen und ihre Selbsteinschätzung. 50/50 wäre daher nur sinnvoll und fair!

KONTRA

"Ich will mehr Frauen in den Parlamenten": Aber eine Frauen-Quote lehnt Horst Kläuser ab.

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ARD-Hauptstadtstudio-Korrespondent Horst Kläuser meint, in der Politik sei der Inhalt wichtiger als das Geschlecht.

Was für ein politischer Unfug! Kein vernünftiger Mensch, Männer mal eingeschlossen, kann doch ernsthaft glauben, Frauen seien schlechtere Politiker. Ich will mehr Frauen in den Parlamenten. Aber doch nicht per Quote oder Paritätsgesetz! Frauen dürfen und sollen in Deutschland alles. Sie können Kanzler und General, Truckdriver und natürlich Abgeordnete. Durch Wahl.

Nicht das Geschlecht ist entscheidend

Frauen sind in der Politik genauso gut wie Männer, auch schlechter, manche besser. Wenn sie kandidieren und mir ihre Politik zusagt, wähle ich sie - oder auch nicht. Wegen der Inhalte, wegen ihrer Persönlichkeit, wegen ihres Programms, wegen ihres Auftritts. Aber ich wähle sie definitiv nicht, weil sie Frau oder Mann sind. Sollte wirklich in neu zugeschnittenen Wahlkreisen jede Partei eine Frau und einen Mann aufstellen müssen, könnte das Geschlecht wichtiger werden als der Inhalt.

Ich finde starke Frauen stark. Ich möchte mehr von ihnen sehen und hören. Schafft Chancen dafür! Aber ich wähle sie ausschließlich, weil sie mich überzeugen und nicht, weil sie per Gesetz zur Kandidatin gemacht wurden. Ich glaube auch nicht, dass es viele Frauen gibt, die gewählt werden wollen, weil sie Frau sind.

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