Stand: 13.02.2018 17:12 Uhr

Klimawandel: Die Warnungen werden lauter

Steve Nerem von der Universität von Colorado in Bolder spricht von einer "vorsichtigen Schätzung": Der Meeresspiegel könnte nach Berechnungen des Professors für Raumfahrttechnik und seines Teams bis zum Jahr 2100 mehr als 60 Zentimeter ansteigen. Für die Studie werteten die Forscher Satellitendaten der vergangenen 25 Jahre aus. Demnach beschleunigt sich der Anstieg jedes Jahr. Hauptgrund sei die Eisschmelze an den Polen.

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Nur die Industriestaaten werden den Meeresspiegel-Anstieg mit großen Investitionen abfangen können, meint Verena Gonsch.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Meldungen über den steigenden Meeresspiegel jetzt aus den USA kommen. Deren Präsident Donald Trump hat den Klimawandel ja schon zur "Fake News" erklärt: Nein, er ist nicht menschengemacht. Nein, er wird nicht spürbar sein. Nein, Geld brauchen die Wissenschaftler nicht.

Die Forschungsgelder werden eingefroren. Unterdessen wird es auch in den USA immer wärmer, Dürre-Perioden nehmen zu, ebenso der Starkregen und die heftigen Niederschläge. Die Vogel-Strauß-Methode funktioniert eben doch nicht. Jedenfalls nicht langfristig. Kurzfristig lassen sich damit immer noch Wahlen gewinnen. Leider!

Berechnungen werden immer genauer

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Was man bei der Studie aus den USA wissen muss: Die Klima-Wissenschaft berechnet Modelle. Die Meteorologie ist noch eine junge Wissenschaft. Die neuesten Datenmengen erlauben den Wissenschaftlern, immer mehr Wetterdaten und in diesem Falle Satellitenbilder in die Berechnungen mit einzubeziehen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit ihrer Grundaussage, der Meeresspiegel wird steigen, Recht haben.

Eine Garantie über das jetzt prognostizierte Ausmaß gibt es nicht. Deswegen heißt es auch in der jetzt vorgelegten Studie: Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte der Durchschnittspegel an den Küsten um 65 Zentimeter höher liegen als im Jahr 2005. Immerhin das Doppelte von dem, was man bisher erwartet hatte.

Arme Länder könnten einfach untergehen

Für viele pazifische Inseln bedeutet dieses Szenario, dass es sie in einigen Jahrzehnten nicht mehr geben wird. Für Bangladesch auch. Auch die USA selbst wären nicht gefeit: Bei diesem Anstieg des Meeresspiegels könnten die Inselgruppe der Florida Keys und die Everglades im Süden Floridas untergehen.

In Europa wird in den Niederlanden jetzt schon ein beträchtlicher Anteil der Steuergelder in Deichbau investiert, in Deutschland wird diese Studie die Bewohner von Sylt und von den Nordsee-Halligen alarmieren. Die Industriestaaten werden den Anstieg des  Meeresspiegels mit riesigen Investitionen abfangen können. Für die armen Länder gilt das nicht. Sie gehen einfach unter.

Wenn aus Theorie Realität wird ...

Von "Fake News" wird dann in einigen Jahrzehnten keiner mehr sprechen. Ein US-Präsident Trump ist dann allerdings schon längst unrühmliche Geschichte. Und es wird viele Kinder geben, die ihre Eltern oder Großeltern fragen, warum sie damals nichts gegen diese Entwicklung getan haben.

Was dann unsere Antwort ist? Vielleicht: Wohlstand war uns wichtiger. Oder: Die Politiker haben es nicht hinbekommen, den Klimavertrag von Paris umzusetzen. Oder: Es tut uns leid. Eine Antwort können wir dann nicht geben: Niemand hat uns gewarnt. Oder: Davon haben wir nichts gewusst.

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NDR Info | Kommentar | 13.02.2018 | 17:08 Uhr