Stand: 14.12.2018 16:32 Uhr

Klimaschutz: Wir brauchen mehr Gretas!

Auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz feilschen die teilnehmenden Staaten um eine gemeinsame Abschlusserklärung für die internationalen Klimaziele. Wichtig, um diese Ziele zu verwirklichen, wird sein, dass sich die nachfolgenden Generationen umweltbewusst und verantwortlich verhalten.

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Verena Gonsch kritisiert in ihrem Kommentar auch die deutsche Klimapolitik.

Die 15-jährige Greta aus Schweden ist die neue Hoffnungsträgerin der Umweltbewegung. Seit dem Sommer schwänzt das hochbegabte Mädchen jeden Freitag die Schule und demonstriert für die Rettung des Klimas. Tausende Schülerinnen und Schüler auf der ganzen Welt folgen ihrem Beispiel an diesem Freitag (14.12.2018) - auch in Norddeutschland.

Greta sagt: Die Erwachsenen denken meistens nicht über das Jahr 2050 hinaus. Aber sie selbst habe dann noch die Hälfte ihres Lebens vor sich. Greta hat viele Fans unter den Gleichaltrigen und viele Gegner unter den "vernünftigen" Erwachsenen, die sie für naiv, altklug und besserwisserisch halten.

Ich glaube: Wir brauchen mehr Gretas! Junge Menschen, die uns zeigen: Wenn wir in diesem Tempo weiter verhandeln, werden wir die Klimaerwärmung nicht stoppen!

Trendwende ist nicht in Reichweite

Natürlich: Es hat Fortschritte gegeben. Das Pariser Abkommen war so ein Erfolg. Oder auch die vielen kleinen und großen Initiativen auf der Welt. Das öffentliche Bewusstsein ist auch ein Erfolg: Die Deutschen bezeichnen den Klimawandel als eines der größten Probleme. Und trotzdem pusten wir weltweit immer mehr CO2 in die Atmosphäre.

Eine Trendwende ist nicht in Reichweite! Insofern braucht die Klimabewegung Menschen wie Greta und die vielen Schülerinnen und Schüler aus Norddeutschland, die am Freitag für das Klima auf die Straße gegangen sind.

Klima-Grundrauschen lullt die Menschen ein

Die Klimapolitik wandelt sich leider immer mehr zu einer surrealen Veranstaltung. Es vergeht kein Tag, an dem nicht neue Horrormeldungen verkündet werden: CO2-Ausstoß auf Höchststand! Wärmstes Jahr seit Messung! US-Wetterturbulenzen aufs Klima zurückzuführen!

Das Paradoxe: Diese Meldungen scheinen niemanden mehr wirklich zu interessieren, geschweige denn aufzurütteln. Es ist ein allgemeines Klima-Grundrauschen entstanden, in Deutschland kurz unterbrochen durch einige Sorgenfalten angesichts der Dürre in diesem Jahr. Wenn das jetzt immer so ist? Was machen wir dann? Müssen wir aktiv werden? Aber kaum ist der ersehnte Regen wieder da, herrscht Entspannung.

Klimapolitik ist in einer neuen Eiszeit angekommen

Das gilt auch für die deutsche Klimapolitik. Die SPD sträubt sich mit Händen und Füßen in der Großen Koalition gegen einen Ausstieg aus dem Kohlebergbau - mit Rücksicht auf die Kumpel in NRW. Deutschland wird seiner früheren Rolle als Klimavorreiter nicht mehr gerecht.

So traurig es ist: Die Klimapolitik ist derzeit in einer neuen Eiszeit angekommen. Populistische Parteien und Strömungen gewinnen die Oberhand. Sie wollen vom schlechten Klima nichts wissen. Klar, das Thema ist ja auch extrem komplex und verspricht keine einfachen Antworten. Zu allem Überfluss endet die Klimakonferenz an diesem Wochenende in einem Land, das der größte Bremser der EU-Klimapolitik ist: Polen.

Umsteuern macht immer Sinn

Viel Hoffnungen auf durchschlagende Erfolge knüpfen Klimaschützer deshalb nicht an den Gipfel. Umso dringender brauchen wir die 15-jährige Greta aus Schweden. In Polen war sie mit ihrer einfachen und trotzdem schlagenden Botschaft zu Gast: Denkt an die junge Generation! Sie muss das alles ausbaden. Umsteuern macht immer Sinn - auch um kurz vor Zwölf.

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NDR Info | Kommentar | 14.12.2018 | 17:08 Uhr