Stand: 16.05.2018 14:38 Uhr

Trump und Kim brauchen ihr Treffen beide

Es gab Umarmungen, es wurde ein Baum gepflanzt - die Zeichen standen auf friedliche Töne und Annäherung. Auch ein Abrüsten wurde vereinbart zwischen Nord- und Südkorea. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un vereinbarte sogar ein Treffen Mitte Juni in Singapur mit US-Präsident Donald Trump, der sich daraufhin schon selbst feierte. Doch nun droht Kim mit einer Absage des Treffens. Er soll verärgert sein über ein jährlich stattfindendes Militärmanöver, das die USA zurzeit mit Südkorea ausüben. War es das schon wieder mit der Annäherung?

Ein Kommentar von Jürgen Hanefeld, ARD-Studio Ostasien

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Jürgen Hanefeld meint, dass Kim töricht wäre, sein Atomarsenal für Geld und gute Worte von Trump preiszugeben.

Hören Sie jetzt bitte nicht so genau hin, auch dieser Kommentar zu Nordkorea ist wie die Lottozahlen: ohne Gewähr. Vor allem die zentrale Frage, ob jetzt der Gipfel zwischen Trump und Kim platzt, kann niemand seriös beantworten. Aber es gibt Wahrscheinlichkeiten. Und die lassen sich aus den Interessenlagen der beiden Kampfhähne errechnen.

Beide wollen den Gipfel. Der Amerikaner ist erfolgsversessen. Er will der Welt beweisen, dass er - schneller als jeder Präsident vor ihm - Resultate erreichen kann; und zwar laut und groß und unter dem donnernden Applaus der Welt. Ein Abkommen mit Nordkorea wäre genau nach seinem Geschmack, möglichst noch in der ersten Halbzeit seiner Regentschaft, in der er ja sonst keine außenpolitischen Erfolge zu verbuchen hat. Schon geistert das Wort vom Friedensnobelpreis durch die Gazetten, ausgerechnet für Trump, den Waffenfreund.

Kims Überlebensstrategie ohne Netz und doppelten Boden

US-Präsident Donald Trump (l.) und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un auf einer Foto-Collage nebeneinander montiert. © dpa bildfunk Fotograf: Evan Vucci/Wong Maye-E

"Beide Seiten haben viel Kapital investiert"

NDR Info - Aktuell -

Lässt Nordkoreas "Little rocket man" Kim Jong Un das Gipfeltreffen mit US-Präsident Trump platzen? "Wahrscheinlich nicht", sagte Patrick Köllner (Giga Institut) auf NDR Info.

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Was für Trump manchmal nur ein Spiel zu sein scheint (Was könnte ihm denn ernsthaft schaden?), ist für Kim eine Überlebensstrategie ohne Netz und doppelten Boden. Auch er will den Gipfel unbedingt, aber nicht als einer, der zu Kreuze kriecht. Sein brennendes Verlangen nach Anerkennung, nach Augenhöhe mit dem Chef der größten Atommacht der Welt, ist nicht nur Eitelkeit. Es ist notwendig, wenn er, sein Clan und seine Claqueure die Macht behalten wollen.

Dazu bedarf es dann und wann eines überraschenden Störfeuers. Jeder weiß, dass die lautstarke Kritik an den längst üblichen Manövern in Südkorea an den Haaren herbeigezogen ist. Allerdings ist die Strafe dafür, einen Konferenztermin mit Südkorea ausfallen zu lassen, im Gesamtkonzept ja auch eher mäßig.  

Mit Assen im Ärmel stechen US-Garantien

Viel wichtiger ist aus Kims Sicht, nicht als zahnloser Tiger wahrgenommen zu werden, der sich den Wünschen Amerikas willfährig beugt. Er muss immer noch ein paar Asse im Ärmel haben, die stärker sind als irgendwelche Garantien, zumal aus Amerika. Angesichts der Unberechenbarkeit seines Gegners, der fertig ausgehandelte Verträge - siehe Iran - einfach in der Luft zerreißt, wäre Kim töricht, sein Atomarsenal für Geld und gute Worte preiszugeben.

Mein Tipp: Es wird zum Treffen zwischen Trump und Kim in Singapur kommen. Beide wollen das, beide brauchen das. Verhandelt aber wird erst später - wenn überhaupt ...

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NDR Info | Kommentare | 16.05.2018 | 17:08 Uhr