Stand: 06.12.2017 14:48 Uhr

Warum hat Bach nicht "Raus mit Euch" gerufen?

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat Russland wegen des Doping-Skandals von den Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) ausgeschlossen, will den russischen Sportlern aber unter Auflagen einen Start als "neutrale Athleten" ermöglichen. Das entschied das IOC auf einer Exekutivsitzung am Dienstag in Lausanne. Russland hatte in den Jahren 2011 bis 2015 ein institutionelles Dopingsystem installiert.

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"Russland hat die gesamte Olympische Familie betrogen", kommentiert Holger Kühner.

Ein Kommentar von Holger Kühner

Erstmals wird ein Land wegen eines kollektiven Dopingvergehens von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Bravo. Also nicht das Land wird ausgeschlossen, sondern nur die Sportler, die eh nicht hätten teilnehmen dürfen, weil sie wegen Dopings gesperrt sind.

Das Nationale Olympische Komitee von Russland ist ausgeschlossen, suspendiert, besser gesagt beurlaubt. Und diesen Urlaub verbringt das Nationale Olympische Komitee bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. OK. Der NOK-Präsident darf nicht mitfahren, Athleten schon.

Keine russische Mannschaft - das tut den Athleten weh

Fleißig haben alle möglichen Doping Institutionen in den vergangenen Monaten russische Wintersportler auf Doping untersucht. Und völlig überraschend wurde wenige Stunden vor der Bekanntgabe der Sanktionen gegen Russland gesagt, dass die Russen die Liste der Dopingkontrollen anführen. Bravo. Gestraft und getroffen sind die russsichen Sportsfreunde in der Tat, weil sie nicht hinter ihrer weiß, blau, roten Flagge spazieren dürfen und zu ihren sauberen Siegen statt der russischen, die Olympische Hymne gespielt wird. Eine russische Olympiamannschaft wird es nicht geben - das tut den Athleten weh.

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses in Deutschen Bundestag. © Dagmar Freitag Fotograf: Frank Ossenbrink

Freitag: Russland hat noch immer nicht verstanden

NDR Info - Aktuell -

Nach der IOC-Entscheidung zum Ausschluss von Russland: Interview mit Dagmar Freitag (SPD), bisherige Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag.

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Wenn alle brav sind, ist alles vergessen

Allerdings wird sich der "Olympische Athlet aus Russland", so die offizielle Bezeichnung, in einer Sammlung von Gleichgesinnten natürlich von russischen Funktionären betreuen lassen und auch eine einheitliche Kleidung tragen. Olympischer Athlet aus Russland - OAR, klingt als brülle da der russische Bär. Und weil es ja kein Team gibt heißt auch beispielsweise die Eishockeymannschaft "Olympischer Athlet aus Russland" - das klingt peinlich und ist vermutlich für die Eishockprofis schwerer zu ertragen, als die fehlende Flagge. Und wenn die OARs alle schön brav sind, dann dürfen sie ihre bis dahin versteckten Fahnen bei der Abschlussfeier auspacken und als Team Russland ausmarschieren. Dann ist alles vergessen.

Russland hat die gesamte Olympische Familie betrogen

Obwohl der Schweizer Chefermittler Samuel Schmid sagte, ein solches Betrugssystem habe er noch nie gesehen. Systemisch, von oben herab dirigiert. Als Gastgeber der Spiele in Sochi 2014 hatte Gastgeber Russland das IOC und die gesamte Olympische Familie betrogen - skrupellos. Ehrlichen, sauberen Athleten sollten dopingverseuchte Proben untergejubelt werden. Warum hat Thomas Bach nicht längst gerufen: "Raus mit Euch, wir wollen Euch bei Olympia nicht mehr sehen." Den juristischen Prozess hätte Bach verloren, die Anerkennung der internationalen Sportwelt aber gewonnen.

Weitere Informationen
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IOC schließt Russland von Winterspielen aus

Das IOC hat Russland wegen des Doping-Skandals von den Winterspielen 2018 ausgeschlossen. Die Sportler können unter Auflagen als "neutrale Athleten" teilnehmen. Mehr bei sportschau.de. extern

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NDR Info | Kommentare | 06.12.2017 | 17:08 Uhr