Stand: 14.06.2019 17:11 Uhr

Trumps Iran-Politik ist brandgefährlich

US-Präsident Donald Trump hat den Iran direkt für Angriffe auf Öltanker im Golf von Oman verantwortlich gemacht. Die wichtige Schifffahrtsroute an der Straße von Hormus werde nach den Angriffen nicht geschlossen oder zumindest nicht für lange Zeit, sagte er in einem Interview. Auf die Frage, wie der Iran gestoppt werden könnte, sagte der Republikaner: "Wir werden sehen".

Ein Kommentar von Carsten Kühntopp, ARD-Hörfunkkorrespondent in Kairo

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Die USA sollten ihren aggressiven Kurs gegen den Iran aufgeben, meint ARD-Korrespondent Carsten Kühntopp.

Wenn ein Staatsanwalt eine Anklageschrift verfasst, ist die Frage nach dem Motiv wichtig: Warum soll der Verdächtige die Tat begangen haben? Im Fall der beiden Tanker, die im Golf von Oman angegriffen wurden, bleiben die USA die Antwort darauf bisher schuldig. Sie machen zwar den Iran für die Vorfälle verantwortlich, haben bisher aber keine handfesten Beweise dafür vorgelegt. Und sie können nicht erklären, warum der Iran mit den Angriffen eine militärische Konfrontation heraufbeschwören wollen sollte, bei der er zweifellos unterliegen würde.

Mögliche Reaktion des Iran auf Wirtschaftskrieg

Dennoch ist der Iran verdächtig. Der Angriff könnte seine Antwort auf den Wirtschaftskrieg sein, den die USA gegen das Land führen. Washington will dem Iran seine wichtigste Einnahmequelle abdrehen und dafür sorgen, dass er kein Erdöl mehr exportiert. Womöglich will der Iran nun zeigen: Auch wir können euch wehtun, indem wir die wichtigste Handelsroute der Welt unsicher machen, mit schwerwiegenden Folgen für eure Wirtschaft.

Auch Israel hätte ein Motiv

Aus Sicht einiger Beobachter im Nahen Osten ist aber auch Israel tatverdächtig und hat ein Motiv. So seien die Angriffe der Versuch, die USA in einen Krieg gegen den Erzfeind der Israelis, den Iran, zu treiben. Diese Theorie halten einige für glaubwürdiger als die Annahme, dass die iranische Führung suizidal ist und einen Militärschlag der USA provozieren will.

Großer regionaler Krieg droht

Wie auch immer: Die Tankerattacken haben die Spannungen zwischen den Anrainerstaaten am Persischen Golf weiter steigen lassen. Das ist gefährlich: Jetzt könnte ein einfaches Missverständnis eine militärische Konfrontation auslösen, die sich schnell zu einem großen regionalen Krieg ausweitet.

Trump hat Eskalation herbeigeführt

In diese Situation sind wir allein durch US-Präsident Donald Trump geraten. Er war es, der das Atomabkommen aufkündigte, an das sich der Iran sklavisch genau gehalten hatte, wie es eine unabhängige internationale Organisation unzählige Male bestätigte. Dann verhängte Trump Sanktionen, mit denen er - so wörtlich - "maximalen Druck" machen wollte, das Ziel: Der Iran sollte an den Verhandlungstisch kommen, das Atomabkommen neu verhandeln, sein Raketenprogramm aufgeben und seine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der arabischen Nachbarstaaten unterlassen.

Jetzt haben Hardliner in Teheran das Sagen

Doch genau das Gegenteil passiert nun: In Teheran haben jetzt die Hardliner das Sagen. Weil Trump den Iran wirtschaftlich in den Würgegriff genommen hat, denkt dort niemand daran, klein beizugeben. Was Trump nicht begreift: Mit einer wichtigen Regionalmacht, einer uralten und stolzen Kulturnation, kann er nicht so umspringen wie mit den Caddys auf seinen Golfplätzen. Auf Trumps maximalen Druck reagiert Teheran mit maximaler Härte. Deshalb gibt es in diesem Konflikt für Vermittler derzeit nichts zu tun. Die Spannungen am Golf werden erst dann sinken, wenn die USA ihren aggressiven Kurs gegen den Iran aufgeben.

Weitere Informationen

Hamburger Tanker offenbar angegriffen

Vor der iranischen Küste ist ein Tanker einer Hamburger Reederei offenbar von einem Geschoss getroffen worden. Die 21 Männer der Crew haben das Schiff verlassen und sich in Sicherheit gebracht. (13.06.19) mehr

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Sind die Aufnahmen authentisch?

Die USA haben ein Video veröffentlicht, das beweisen soll: Der Iran steckt hinter dem Angriff auf den Tanker "Kokuka Courageous". Vieles bleibt jedoch unklar. extern

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NDR Info | Kommentar | 14.06.2019 | 17:08 Uhr