Stand: 04.09.2018 17:25 Uhr

Google-Datenschatz gehört auch den Nutzern

Kaum jemand kann sich noch erinnern, wie das Leben vor Google war, als man noch Lexika um Rat fragte und Öffnungszeiten telefonisch erfragen oder auswendig wissen musste. Vor 20 Jahren ist Google gegründet worden. Eine Idee, die die Erfinder mit dem Motto "Tue nichts Böses" verbanden. Ein Satz, der angesichts der Machtdominanz des Konzerns, der sich längst nicht mehr auf die Suchmaschine beschränkt, heute beinahe zynisch anmutet. 90 Prozent aller Internetnutzer in Deutschland nutzen Google.

"Herzlichen Glückwunsch, Oskar Schlemmer, zum 130."  - etwas überraschend verweist die deutsche Google-Startseite an ihrem eigenen Ehrentag auf den des verstorbenen Malers - und offenbar in demonstrativer Bescheidenheit auch auf den eigenen, immerhin schon den zwanzigsten.

Damit ist Google beinahe so alt wie das Internet - oder sollte man besser sagen: Für viele ist Google das Internet? Nur so ist wohl auch der allzu bescheidene Auftritt am eigenen runden Geburtstag zu erklären. Der Konzern ist sich seiner digitalen Weltherrschaft sicher, er braucht längst keine Jubel-Arien oder Werbung in eigener Sache mehr.

Google hat sich die Ausnahmestellung verdient

Und, ja, diese Ausnahmestellung hat man sich verdient. Erst Google hat das World Wide Web für beinahe jeden handhabbar gemacht. Es ist die größte intellektuelle Leistung seiner Gründer, Relevanz - also die Frage, wie oft eine Seite als Quelle und Verlinkung dient - als entscheidende Kategorie für Suchergebnisse eingeführt zu haben. Und dank eines passgenauen Anzeigengeschäfts wurde Google schnell zum erfolgreichsten Werbeunternehmen im Netz.

Das Wort "Google" steht in bunten Buchstaben auf einer Wand. Darüber die Zahl "20". © picture alliance Foto: John Estrazi

20 Jahre Google - eine Erfolgsstory

NDR Info - Wirtschaft -

Google ist eine Suchmaschine mit 750 Milliarden Euro Unternehmenswert. Doch Kritiker bemängeln immer wieder den Datenschutz des Konzernriesens. Wie geht die EU damit um?

5 bei 1 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Datenkrake wird ständig gefüttert - und niemals satt

Mit Google Mail über Google Maps, Google Pay und Google Books bis hin zu Google Home lässt sich inzwischen mehr als das halbe Leben organisieren. Die Folge: meist zufriedene Nutzer und ein sich ständig selbst bestätigendes System.

Wir füttern eine nimmersatte Datenkrake mit immer mehr und immer genaueren Daten. Auf dieser Basis spuckt sie stetig weitere Dienste aus, mit denen sie sich Zugang zu weiteren Lebensbereichen verschafft. Aktuell etwa Medizintechnik, Krebstherapie, Militärgerät und vor allem künstliche Intelligenz.

Mangelnde Regulierung hatte Folgen

Ist das nicht einfach der verdiente Erfolg der Tüchtigen? Ja, aber nicht nur: Google hat - auch mangels Regulierung - einen Großteil der weltweiten Nutzerdaten privatisiert, ist in vielen Bereichen quasi Monopolist, schaltet daher Konkurrenz systematisch aus und - vor allem - setzt dem Nutzer zunehmend das "Friss-oder-stirb"-Angebot vor.

Zugegeben: Forderungen, den Konzern deshalb einfach zu zerschlagen, klingen bisweilen etwas hilflos - und zunächst ebenso nach sozialistischer Mottenkiste, wie die Idee einer Vergesellschaftung von Daten. Aber zumindest Letzteres ist die Zukunft: Auf Nutzerseite ist heute nämlich keinesfalls Bescheidenheit angesagt.

Die Politik muss endlich handeln

Es sind unsere Daten und unsere Aufmerksamkeit, die der Konzern unfassbar teuer verkauft. Gemessen am Marktwert des Konzerns dürfte der weltweite Nutzerdatenschatz rund 650 Milliarden Euro wert sein.

Zeit wird es, davon zu profitieren! Der zwanzigste Google-Geburtstag sollte deshalb für die Politik Anlass sein, nicht mehr nur wolkig und inzwischen parteiübergreifend über ein "Daten-für-alle"-Gesetz zu räsonieren. Sie muss konkret werden in der Frage, wie man mächtige Internetkonzerne zwingen kann, einen gewichtigen, anonymisierten Teil ihres Datenschatzes öffentlich zu teilen.

Vorbild könnten, im Groben, die Pharmabranche und ihre Patente sein: Läuft deren Schutz ab, ist Konkurrenz bekanntlich wieder möglich - im Sinne der Verbraucher.

14:35

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 04.09.2018 | 17:08 Uhr