Stand: 27.02.2019 17:44 Uhr

Entschlossen gegen Plastikmüll kämpfen!

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will bis zum Herbst konkrete und freiwillige Vereinbarungen für weniger Verpackungsmüll erreichen. Das kündigte sie nach einem Treffen mit Vertretern von Handel und Lebensmittel-Industrie an. Ziel sei es, Plastikmüll zu reduzieren und die Verbraucher besser zu informieren. Vorbild soll die Selbstverpflichtung von Unternehmen sein, Plastiktüten nicht mehr umsonst abzugeben. Schulze hatte im vergangenen November einen Fünf-Punkte-Plan für weniger Plastik und mehr Recycling vorgelegt.

Ein Kommentar von Claudia Plaß, ARD-Hauptstadtstudio

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Mit Freiwilligkeit und Dialog wird nach Meinung von Claudia Plaß die Trendwende von immer mehr Müll hin zu immer weniger Müll nicht erreicht werden.

Gurken in Plastik eingeschweißt, Tomaten in Plastikbechern vorportioniert. Mit politischer Halbherzigkeit wird man dieses Problem nicht lösen. Zwar sagt die Bundesumweltministerin, sie habe für diese Verpackungen kein Verständnis - das ist schon mal beruhigend.

Weniger beruhigend sind die Konsequenzen, die daraus folgen sollen. Freiwillige Selbstverpflichtungen des Handels, etwa mehr wiederverwendbare Verpackungen oder mehr unverpackte Ware im Obst- und Gemüsebereich. Das sind zwar gute Ansätze, mehr aber auch nicht.

Plastik ist längst eines der drängendsten Umweltprobleme. Tonnenweise Plastik schwimmt in den Weltmeeren, Seevögel und Fische verenden an Plastikfolien. Plastik gelangt durch die Ozeane in unsere Nahrungskette und birgt somit eine mögliche Gesundheitsgefahr.

Ehrgeizige Ziele setzen

Das Problembewusstsein ist da: Ein Großteil der Verbraucher will weniger Plastikverpackungen. Auch auf politischer Ebene wird bereits gehandelt: Die EU will Einweg-Plastikgeschirr und -Trinkhalme sowie Wattestäbchen verbieten. In Österreich sollen von 2020 an sämtliche Plastiktüten verboten werden. Gute Voraussetzungen also, um auch in Deutschland die Anstrengungen gegen die Plastikflut deutlich zu erhöhen und ehrgeizigere Ziele zu setzen. Dazu gehört, den Handel mit klaren Vorgaben - verbindlich und überprüfbar - in die Pflicht zu nehmen.

Zwar hatte Bundesumweltministerin Schulze in der Vergangenheit angekündigt, notfalls überflüssige Verpackungen zu verbieten, sollte der Handel keine Maßnahmen ergreifen. Jetzt aber setzt sie erst einmal auf Freiwilligkeit und Dialog. Damit wird die Ministerin nicht das schaffen, was sie in ihrem Fünf-Punkte-Plan für weniger Plastik und mehr Recycling formuliert: die Trendwende von immer mehr Müll hin zu immer weniger Müll.

Mehrweg statt Einweg muss sich für Verbraucher lohnen

Auch das neue Verpackungsgesetz, mit dem mehr Müll recycelt werden soll, ist bei einigen Experten schon durchgefallen. Denn, so das Argument, es sorge nicht dafür, dass weniger Plastikmüll entsteht. Und das ist das eigentliche Problem.

Mehr als 18 Millionen Tonnen Verpackungsmüll fallen in Deutschland im Jahr an, davon drei Millionen aus Kunststoff. Damit das weniger wird, braucht es weit mehr als Freiwilligkeit und - mehr als verbindliche Reduktionsziele.

Nötig ist besseres Recycling, damit mehr Plastik tatsächlich wiederverwertet wird. Zudem muss Plastik teurer werden, etwa durch eine Steuer auf Wegwerfprodukte. Alternativen zu Plastikverpackungen, etwa auf pflanzlicher Basis, müssen stärker gefördert werden. Nicht zuletzt muss sich Mehrweg statt Einweg für Verbraucher lohnen. Denn ebenso wenig Verständnis wie für eingeschweißte Gurken haben viele Verbraucher vermutlich dafür, dass sie für den Mehrweg-Beutel an der Ladenkasse bezahlen sollen.

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27.02.2019 20:30 Uhr

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Die Industrie hängt an der Verpackung

Umweltministerin Schulze will bis zum Herbst konkrete und freiwillige Vereinbarungen für weniger Verpackungsmüll erreichen. Mehr zum Gipfel gegen Plastikmüll bei tagesschau.de. extern

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NDR Info | Kommentar | 27.02.2019 | 17:08 Uhr