Stand: 28.02.2019 18:22 Uhr

Die Tür bleibt nach dem Hanoi-Gipfel offen

Der Gipfel zwischen den USA und Nordkorea ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Ein herber Schlag auf dem Weg zu einer Normalisierung des Verhältnisses zwischen beiden Ländern?

Ein Kommentar von Arthur Landwehr, Korrespondent im ARD-Studio Washington

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Arthur Landwehr meint, dass Donald Trump jetzt die Zeit davon laufen könnte.

Das war nichts. Zuerst ein Gipfel mit den größten Erwartungen hochgepusht und dann implodiert der. Einfach so. Damit ist das so wichtige politische Ziel, dass Nordkorea sein Atomprogramm einstellt, erst einmal verschoben. Der letzte Halbsatz ist vielleicht das einzig wirklich Positive an diesem Nichtereignis: Es wird weiter verhandelt. Laut Donald Trump wird Nordkorea auch nicht wieder mit Atom- und Raketentests beginnen. Damit bleibt die Denuklearisierung Nordkoreas also auf der Tagesordnung.

Wie liefen die Vorbereitungen ab?

Was aber ist da eigentlich passiert? Es muss so gewesen sein, dass Donald Trump und Kim Jong-Un schon ziemlich bald an ihre roten Linien gekommen sind und es keinen Spielraum, keine Verhandlungsmasse, keinen Plan B gab. Und das ist für mich die überraschendste Information gewesen.

Was bitte ist denn eigentlich in den vergangenen acht Monaten bei den Verhandlungen auf Arbeitsebene getan worden? Da waren ja nicht nur willfährige, verängstigte Beamte am Werk. An diesen Vorverhandlungen, bei denen der Entwurf der Abschlusserklärung entstand, waren sogar Minister und Sondergesandte beteiligt. Haben die die Augen verschlossen, die wahrscheinlich deutlich wie weiße Elefanten im Raum sitzenden Probleme ausgeblendet, um eine scheinbare Einigung präsentieren zu können?

Trump gießt kein weiteres Öl ins Feuer

In einem Verhandlungsergebnis ein paar eckige Klammern zu haben, die nur von den Chefs entschieden werden können, ist üblich. Die überschreiten die Prokura der Verhandler, die müssen von den Chefs geklärt werden, indem die über ihre Schatten springen. Aber sie müssen verhandelbar sein, und das waren sie hier wohl nicht. Sich da einen blinden Fleck zu gönnen, ist dilettantisch und hat der Sache einen großen Schaden zugefügt.

Immerhin, Donald Trumps Auftreten bei der Pressekonferenz hat kein weiteres Öl ins Feuer gegossen, im Gegenteil. Er ist bei seiner öffentlich gezeigten Haltung gegenüber Kim Jong-Un geblieben, hat keinerlei Abstriche daran gemacht, wie sehr er ihn schätze, wie gut die Beziehung sei. Das hält zumindest die Rhetorik der vergangenen Wochen glaubwürdig und lässt die Tür offen, einen neuen Anlauf zu machen.

Trump kann diese Niederlage nicht gebrauchen

Für Donald Trump ist der geplatzte Gipfel tatsächlich eine Niederlage, die er gerade jetzt nicht gebrauchen kann. Ein Abkommen in der Tasche, das man mit gutem Grund historisch nennen könnte, eines, das mit seiner Präsidentschaft verbunden bleibt, war genau das, was er angestrebt hat. Dass er sich im Vorfeld völlig unvorsichtig schon mal für den Friedensnobelpreis ins Spiel gebracht hat, macht die Sache nicht besser.

Jetzt könnte ihm plötzlich die Zeit weglaufen, denn schon im nächsten Jahr sind Präsidentschaftswahlen. Was man Trump zugutehalten muss ist, dass er sich nicht hat verführen lassen, aus diesem Zeit- und Erfolgsdruck heraus ein Abkommen zu schließen, das sich dann als nicht nachhaltig und belastbar herausstellt.

Dies insbesondere auch deshalb, weil ihm Erfolgsschlagzeilen innenpolitisch dramatisch geholfen hätten. Sein nationaler Notstand wegen der Mauer unter massivem Beschuss, sein ehemaliger Anwalt Michael Cohen, der ihn als Rassisten und Lügner darstellt. Der Bericht zur Russland-Affäre wird von Sonderermittler Muller vorgelegt werden. Das alles hätte durch das Attribut "historisch" in der Kombination mit "Trumps Verhandlungen" entschärft werden können. Bleibt also nur: Aufstehen, Staub abschütteln, weiter machen. Ist wichtig.

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NDR Info | Kommentar | 28.02.2019 | 18:30 Uhr