Stand: 07.02.2019 18:30 Uhr

Der Druck auf Facebook bleibt hoch

Das unbegrenzte Sammeln von Daten durch das Online-Netzwerk Facebook soll eingegrenzt werden: Momentan verarbeitet das US-Unternehmen auch Nutzerdaten von anderen Internetseiten. Das Bundeskartellamt sieht darin einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht und den Datenschutz. Facebook muss in Deutschland die Daten seiner aktuell etwa 23 Millionen Nutzer nun besser schützen. Wird es wirklich so kommen?

Ein Kommentar von Dennis Horn, Westdeutscher Rundfunk

Bild vergrößern
Dennis Horn findet es gut, dass Facebook auf lange Sicht zum Handeln gezwungen ist.

Das Bundeskartellamt entscheidet - und kaum ein Facebook-Nutzer wird es merken. Denn erst einmal kann Facebook weitermachen wie bisher. Die Entscheidung des Bundeskartellamts lautet zwar, dass Facebook das Datensammeln einschränken muss - und es eine "innere Entflechtung" benötigt. Facebook selbst gab aber direkt zu Protokoll, dass es Beschwerde einlegen wird. Und so lange nichts rechtskräftig ist, wird sich auch für die Nutzer des sozialen Netzwerks nichts ändern.

Die Frage bleibt außerdem, ob es jemals dazu kommen wird. Denn Facebook arbeitet daran, Fakten zu schaffen. Seit ein paar Wochen ist bekannt, dass der Konzern plant, die Chatbereiche von Facebook, WhatsApp und Instagram miteinander zu verbinden. WhatsApp-Nutzerinnen könnten dann Nachrichten an Instagram-Nutzer schreiben - und die sie an Bekannte bei Facebook weiterleiten. Und wenn einmal alles eins ist - wie könnte man es dann überhaupt wieder entflechten?

Facebook hat ein eigenes Ökosystem geschaffen

Mit seiner Entscheidung reiht sich das Bundeskartellamt trotzdem in eine ganze Reihe von Forderungen ein, die Verbindungen zwischen Facebook und WhatsApp und Instagram wieder zu lösen - und auch das Anreichern von Nutzerprofilen mit Daten aus ganz anderen Quellen zu unterbinden.

Das ist das Gute an der Entscheidung: dass sie den Begriff "Marktmacht" anders definiert. Es geht nicht allein um Marktanteile, sondern darum, dass Facebook ein Ökosystem geschaffen hat, dass es den Nutzern schwerer macht, zu anderen Diensten zu wechseln - und die Möglichkeit dazu habe Facebook gerade wegen seines Umgangs mit Daten.

Auf lange Sicht wird Facebook etwas ändern müssen

Bild vergrößern
Mark Zuckerberg ist der Erfinder und Chef von Facebook. Sein geschäftliches Vorgehen ist umstritten.

Zumindest haben wir hier also jetzt eine Behörde, die einen Takt vorgibt und mit ihrer Entscheidung wesentlich entschlossener wirkt als die Datenschutzbehörden bisher. Die Entscheidung zeigt außerdem, dass der Druck auf Facebook hoch bleibt; dass die Zeiten des "Friss oder stirb!" vorbeigehen könnten, in denen man Nutzungsbedingungen und alle Änderungen an ihnen ohne Wenn und Aber akzeptieren muss - und ansonsten aus dem sozialen Netzwerk ausgeschlossen wird.

Das Verfahren des Bundeskartellamts ist nicht die einzige Anstrengung, die zurzeit gegen Facebook und dessen Geschäftspraktiken unternommen wird. Auf allen möglichen politischen Ebenen wird über Regulierung und Auflagen diskutieren. Selbst also, wenn die konkrete Entscheidung jetzt zu keinem Ergebnis führt: Auf ewig wird Facebook nicht weitermachen können wie bisher.

Weitere Informationen
Link

Kartellamt setzt Facebook neue Grenzen

Nach Ansicht des Kartellamts missbraucht Facebook seine Marktmacht. Deshalb fordert die Behörde eine "innere Entflechtung". Mehr bei tagesschau.de. extern

Kauft sich Facebook seine Freunde?

06.02.2019 18:25 Uhr

Facebook unterstützt die Ethik-Forschung an der TU München. Einerseits hört sich das vernünftig an, andererseits klingt es nach Doppelmoral. Florian Schroeder bittet auf ein Wort. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 07.02.2019 | 18:30 Uhr