Stand: 19.03.2019 18:24 Uhr

5G-Lizenzen: "Hoffentlich nicht so teuer"

Die umstrittene Auktion von 5G-Mobilfunkfrequenzen läuft. Zum Start hat der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, am Dienstagmorgen in Mainz symbolisch auf den Knopf einer alten Stopp-Uhr gedrückt, die schon im Jahr 2000 im Einsatz war. Damals bescherte die erste große Frequenzauktion dem Bund einen Geldregen von umgerechnet knapp 51 Milliarden Euro. Die nun gestartete Auktion dürfte deutlich weniger Geld einbringen, Fachleute rechnen mit drei bis fünf Milliarden Euro. Der Bund will das Geld in die Digitalisierung stecken.

Ein Kommentar von Jörg Brunsmann, WDR

Hoffentlich wird es für die Firmen diesmal nicht so teuer. Die 50 Milliarden Euro, die der Staat im Jahr 2000 mit der 3G-Frequenz-Versteigerung eingenommen hatte, die laufen uns Verbrauchern nämlich noch immer hinterher. Kaum irgendwo in Europa ist mobiles Internet so teuer wie bei uns. Weil die Mobilfunkanbieter natürlich erst mal ihre Investitionen raushaben müssen - und dazu gehören eben auch die Milliarden an Lizenzkosten, auf die viele Politiker jetzt hoffen.

Überhaupt, die Politik. Mit der Forderung, 5G flächendeckend auszubauen - Stichwort: Internet an jeder Milchkanne - wird die neue Technik einen schweren Start haben. 5G ist nämlich eigentlich gar nicht für eine flächendeckende Versorgung konzipiert worden. Die Techniker haben es so entworfen, dass möglichst viele Menschen - zum Beispiel in Fußballstadien oder in der Fußgängerzone - schnelles Internet nutzen können. Es bietet außerdem die Möglichkeit, Daten nicht nur schnell, sondern auch ohne heute übliche Verzögerungen zu transportieren. Was zum Beispiel für die Industrie oder selbstfahrende Autos besonders wichtig ist.

Buchstabenwürfel mit der Aufschrift 5G liegen auf einem Smartphone. © imago Foto: Christian Ohde

Streit um die Versteigerung der 5G-Frequenzen

NDR Info - Wirtschaft -

Der neue Mobilfunkstandard 5G soll künftig für schnelles mobiles Internet sorgen. Informationen zur Versteigerung der dafür notwendigen Frequenzen aus der NDR Info Wirtschaftsredaktion.

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Wo sollen all die Sendemasten hin?

Dafür hat 5G aber einen entscheidenden Nachteil: Man braucht viel mehr Sendemasten als heute. Derzeit reicht in dünn besiedelten Gegenden ein Mobilfunkmast alle paar Kilometer. Mit der neuen Technik kann man wahrscheinlich nur etwa 400 bis 500 Meter im Umkreis abdecken. Wo sollen wir alle diese Masten aufstellen?

Das fragen sich die Netzbetreiber schon heute, wo sie den Zuschlag für die Frequenzen noch gar nicht haben. Ganz zu schweigen davon, dass die vielen Masten natürlich auch Ängste wecken. "Wenn da alle paar Hundert Meter eine neue Strahlungsquelle steht, ist das nicht schädlich?" Das werden sich viele Menschen fragen. Und eine verlässliche Antwort darauf können Forscher heute noch nicht geben.

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Lieber LTE flächendeckend ausbauen

Wenn man aber sieht, wie groß der Widerstand gegen neue Handymasten heute schon oft ist, dann kann auch das den Aufbau des neuen 5G-Netzes deutlich verzögern. Sinnvoller wäre es, mit der alten Technik, mit LTE, dafür zu sorgen, dass die weißen Flecken der Internetversorgung im Land endlich verschwinden. Denn für die kleine Firma, die damit ihre Angebote verschickt oder Bestellungen abwickelt, ist LTE - vernünftig ausgebaut - in den nächsten Jahren völlig ausreichend.

Vor allem wäre die Technik direkt verfügbar; die Firmen müssen nicht erst lernen, wie man so ein Netz aufbaut. Dass die Politiker aber jetzt versuchen, das nachzuholen was sie damals bei der Lizenzvergabe für LTE versäumt haben, das ist eine Hypothek, die am Ende wir Kunden mitbezahlen müssen. Über neue, teure Mobilfunkverträge.

Also: Hoffentlich werden die Lizenzen selbst nicht so teuer. Denn dass 5G am Ende scheitert, weil es keiner bezahlen kann, das wäre für die anstehende weitere Digitalisierung in Deutschland eine Katastrophe.

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NDR Info | Kommentar | 19.03.2019 | 18:30 Uhr