Stand: 17.01.2019 13:42 Uhr

Mittendrin auf dem Rummelplatz

Fairgrounds
von Jeff Ballard
Vorgestellt von Mauretta Heinzelmann

"Fairgrounds" beginnt aus der Stille heraus mit sphärischen Klängen, als würde es heranschweben, als würden die Musiker sich in großer Konzentration herantasten - bis sich aus dem freien Raum der Rhythmus herausschält. Auf diese Weise gelingt Jeff Ballards Quintett eine seltene Verbindung von freiem Spiel und groovigem Temperament. Der 54-jährige kalifornische Schlagzeuger, der in Frankreich lebt, trommelte für Ray Brown, Ray Charles, Chick Corea, Brad Mehldau, Pat Metheny und Joshua Redman, sein Projekt "Fairgrounds" gibt es seit 2012. Das neue Album präsentiert Liveaufnahmen der Tour vom März 2015.

"Fairgrounds" heißt Kirmes, Rummelplatz, Messe. Es geht also um Spiel und Spaß, auch um Begegnung, um buntes Entertainment, um diverse Stationen zwischen einer magischen Atmosphäre und zuweilen einer verruchten Abgestürztheit hinter den Kulissen, die in der Musik nicht verborgen wird. Hin und wieder schaut die Band hinter die schrill gemalte Show-Oberfläche, vor allem aber mitten ins Herz der Menschen, die hier eine Auszeit vom Alltag suchen, eingeschlossen die Musiker selbst. Die vielfältigen Angebote auf dem Rummel sind die diversen Stile, die schon Jeff Ballards Jugend bestimmten: klassischer Swing mit Ella Fitzgerald, Jimi Hendrix' experimenteller Rock, Jobims Bossa, Songs der Beatles. Schlagzeuger Ballard spielt mit einer kompositorischen Grundhaltung: mit sicherem Gefühl für das Ganze, für die übergeordneten Strukturen verbindet er auch gegensätzliche Elemente aus einem organischen Fluss heraus.

Entspannt über den Rummelplatz der Stile

Pat Metheny sagte über Jeff Ballard, er sei mehr Musiker als "nur" Schlagzeuger. Im Projekt "Fairgrounds" spielt Ballard diese Qualität voll aus. Dahinter steht eine vertrauensvolle Grundhaltung in seine musikalischen Partner: Lionel Loueke, Kevin Hays, Reid Anderson, Pete Rende und in einigen Stücken die Saxofonisten Chris Cheek und Mark Turner. Frei spielen ist die Devise, allerdings mit einer besonders intensiven Qualität des Hörens und Fühlens, präsent und offen im Hier und Jetzt. Und das Album ist noch mehr: es bindet den Hörer in den schöpferischen Akt ein. Es zeigt: so entwickelt sich die Musik aus der musikalischen Ursuppe. Die Virtuosität der Musiker wirkt nicht abgehoben wie auf einem Podium, sondern mittendrin auf dem Rummelplatz, vielleicht, weil die Aufnahmen live entstanden sind, im Beisein des Publikums.

Fairgrounds

Genre:
Jazz
Label:
Edition Records
Veröffentlichungsdatum:
25.01.2019
Preis:
13,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Play Jazz! | 21.01.2019 | 22:05 Uhr