Stand: 22.02.2019 12:30 Uhr

Lyrische Hymnen und Powergrooves

Circuits
von Chris Potter
Vorgestellt von Mauretta Heinzelmann
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Das Album "Circuits" von Chris Potter ist beim Label Edition Records erschienen.

Welche Reife aktuelle Jazzmusik entwickelt hat - darüber kann man bei diesem Album nur staunen. Welche atemberaubende Virtuosiät und Präsenz, welche begeisternden Grooves, welche strukturelle Raffinesse und vor allem - welche Energie. Der amerikanische Saxofonist Chris Potter steht für all diese Qualitäten mit einer souveränen Lockerheit und Spiellust. Die vorherrschende Stimmung des Albums "Circuits" ist eine selbstbewusste Freude am Voranpreschen, die etwas Neues und Wertvolles in den Zeitgeist bringt: die Musiker sind in einem eigenen Raum weit vorn, weit über irgendwelche lamentierenden Kämpfe über den Zustand der Welt hinaus. Sie scheinen entschieden zu haben, entschlossen voranzugehen und sich durch nichts aufhalten zu lassen. Und wie es in der Jazzgeschichte schon häufig so war, kann dies nur entscheidende Veränderungen nach sich ziehen, positive Entwicklungen, die einer solchen kreativen Energie entsprechen.

Kongeniales Zusammenspiel von großer Präsenz und Intensität

Wenn man diesem Album etwas vorwerfen könnte, dann höchstens, dass es so dicht ist, dass die Präsenz der Musiker einem kaum eine Chance lässt, mental abzudriften oder mal eine Pause einzulegen. Dabei sind durchaus sehr durchsichtige und sensible Klänge dabei, aber ebenfalls sehr intensiv. Die Musik hat einen zwingenden Sog, der Konzentration einfordert, egal ob es lyrische Hymnen sind wie in "Queens of Brooklyn" oder Powergrooves, zuweilen angehaucht von indischer Melodik oder afrikanischen Ostinati, wo Chris Potter auch mal zur Bassklarinette greift. Über seine Vielseitigkeit kann man nur staunen, auf diesem Album greift er auch zu Flöten, Gitarren, Keyboards und Percussion, was auch zu ausgefeilten mehrstimmigen Bläsersätzen führt, von ihm eingespielt.

Potter hat mit Schlagzeuger Eric Harland in zahlreichen Projekten zusammengearbeitet, sie sind fein aufeinander eingespielt. Auch mit den beiden anderen Mitgliedern des Quartetts wirkt das Zusammenspiel kongenial, mit Bassist Linley Marthe (der auch schon mit Joe Zawinul arbeitete) und mit Keyboarder James Francies. Letzterer ist erst 23 Jahre alt, er bringt die junge Energie einer neuen Generation in die Band, mit anderen stilistischen Einflüssen und elektronischen Sounds und einer besonderen Wachheit. So bleibt die Musik bei aller Ausgereiftheit überraschend und frisch und spiegelt die Freude wieder, die die Musiker bei den Aufnahmen empfunden haben.

Circuits

Genre:
Jazz
Label:
Edition Records
Veröffentlichungsdatum:
22.02.2019
Preis:
13,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Play Jazz! | 25.02.2019 | 22:05 Uhr