Stand: 23.01.2019 06:00 Uhr

Sarah Wiener: "Vorliebe für Süßes in Schach halten"

In Mecklenburg-Vorpommern steigt die Zahl der Schulkinder mit Übergewicht. Politiker verschiedener Parteien fordern deshalb eine gesündere Verpflegung in der Schule. Die Starköchin Sarah Wiener begrüßt mit ihrer Stiftung "Für gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen" im NDR Info Interview diese Initiative.

Die Qualität der Schulverpflegung zu verbessern, sei ein erster wichtiger Schritt. "Das ist sicher schon mal ein riesiger Fortschritt, wenn bestehende Standards für ausgewogene Ernährung in Schulküchen verpflanzt werden", sagte Wiener.

Aber Kindern nur ausgewogenes Essen vorzusetzen, mache sie nicht automatisch zu mündigen Bürgern und Essern, so die Starköchin weiter. Denn häufig seien Kinder "kleine Erbsenpicker" und etwas schwierig beim Essen.

Zu wenig Geld und mangelnde Autonomie in Schulen

Als wesentlicher Grund für qualitativ häufig nicht besonders hochwertiges Schulessen gilt für Wiener mangelndes Geld. Kinder vielfältig, schmackhaft und gesund zu bekochen sei zudem nicht für jede Schule leicht möglich. Schließlich gebe es oft kommunale Schulträger oder Gesetze, "die das ein bisschen schwierig machen, das gewünschte Essverhalten zu verlagern und denen die Macht zu geben, wo es stattfindet."

Auch die Eltern sind in der Pflicht

Allerdings sieht Wiener auch die Eltern in der Pflicht. Immer weniger Familien würden frisch kochen, immer mehr Eltern seien nicht mehr in der Lage, gute Essen zuzubereiten. Hier sei die Gesellschaft gefragt, um allen Kindern die gleichen Grundchancen auf gesunde Ernährung einzuräumen.

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Geschmacksbildung finde in den ersten 1.000 Tagen statt, also bis die Kinder drei Jahre alt sind. "Wenn man da nicht natürlich und vielfältig isst, dann ist schon vieles verloren." Das sei ähnlich wie beim Erlernen einer Fremdsprache: Das sei zwar auch später noch gut möglich, doch je später man anfange, desto wahrscheinlicher spreche man dann womöglich mit einem Akzent. Entsprechend mehr Mühe koste es später, ein umfassendes Geschmacksgedächtnis anzulegen, als wenn man mit ganz kleinen Kindern anfängt.

Gute Ernährung beginnt schon im Bauch der Mutter

"Gute, sinnvolle und vernünftige Ernährung fängt im Prinzip mit dem Plazentawasser an, also mit dem, was die Mutter während der Schwangerschaft isst." Das setze sich über Säuglingsnahrung fort bis zu dem, was Kindergartenkinder essen. An den Eltern sei es, Kinder dauerhaft an gute Ernährung heranzuführen. Das könne durchaus auch spielerisch gelingen.

Wiener empfiehlt, mit den Kindern einkaufen zu gehen und die Produkte zu betrachten. Die letzte Frage könne dann nur sein: "Und wie schmeckt es dir?" Zu bedenken sei dabei aber, dass kein Kind von klein auf Rosenkohl und Rohmilchkäse essen möge. "Wir haben eine natürliche Vorliebe für Süßes. Und die muss in Schach gehalten werden."

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NDR Info | Infoprogramm | 23.01.2019 | 06:20 Uhr