Stand: 18.06.2019 10:27 Uhr

"Rechtsextremismus wie Islamismus bekämpfen"

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Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke ist ein mutmaßlicher Täter festgenommen worden.

Die Bundesanwaltschaft geht beim Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke von einem rechtsextremistischen Motiv aus. Die Ermittlungen richten sich gegen den 45-jährigen Stephan E., der seit Sonnabend wegen Mordverdacht in Untersuchungshaft sitzt. Der Tatverdächtige ist mehrfach vorbestraft und hatte laut Sicherheitskreisen in der Vergangenheit Verbindungen in die rechtsextreme Szene.

Georg Mascolo, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung", sagte am Dienstag auf NDR Info, noch sei unklar, ob es sich im Mordfall Lübcke um einen radikalisierten Einzeltäter, ein Netzwerk oder um eine kleine rechtsextreme Gruppe wie im Fall der NSU-Morde handelt.

"Behörden haben seit den NSU-Morden dazugelernt"

Nach Ansicht Mascolos ist die Zeit vorbei, in der die Behörden rechtsterroristische Gruppierungen nicht ernst nähmen, weil sie sich deren Existenz nicht vorstellen könnten. Womit man es im Fall Lübcke zu tun habe, müsse aber noch ermittelt werden.

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"Tatverdächtiger ist schon früh durch Gewaltbereitschaft aufgefallen"

Laut Mascolo fiel E. bereits früh durch einen ausgeprägten Hang zur Gewalt und Fremdenfeindlichkeit auf. Bereits Anfang der 1990er-Jahre habe er versucht, eine Rohrbombe in einem Asylbewerberheim zu zünden. Dann seien weitere Straftaten gefolgt, bis diese Welle im Jahr 2009 zunächst ein Ende gefunden habe. Es gelte zu klären, ob er sich möglicherweise während der Flüchtlingskrise erneut radikalisiert habe. In jedem Fall habe man es mit jemandem zu tun, der in unterschiedlichsten Zusammenhängen rechtsradikal aufgefallen sei.

"Rechten Terrorismus genauso beobachten wie islamistischen Terror"

Auf lange Sicht müsse der rechte Terrorismus mit ähnlichem Personaleinsatz und ähnlicher Aufmerksamkeit beobachtet werden wie es beim islamistischen Terrorismus bereits der Fall sei, sagte Mascolo. In dieser Szene gebe es eine relative Phase der Beruhigung. Dies liege unter anderem daran, dass die Behörden in den vergangenen Jahren alles, was an Personal und Möglichkeiten zur Verfügung stand, eingesetzt hätten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 18.06.2019 | 07:48 Uhr