Stand: 04.07.2019 09:55 Uhr

"Von der Leyen ist ein unbeschriebenes Blatt"

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FDP-Außenexperte Alexander Graf Lambsdorff kritisiert den Personalvorschlag für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten.

Die Kritik am Personalvorschlag für den Posten des EU-Kommissionspräsidenten hält an. Der Außenexperte der FDP, Alexander Graf Lambsdorff, sagte auf NDR Info, derzeit wisse niemand, welche inhaltlichen Vorstellungen Ursula von der Leyen (CDU) habe und welche Schwerpunkte sie als EU-Kommissionspräsidentin setzen wolle. "Sie ist ja ein völlig unbeschriebenes Blatt. Die Wähler kriegen jetzt das sprichwörtliche Kaninchen aus dem Zylinder", meint Graf Lambsdorff. Der Bundestagsabgeordnete betonte, dass von der Leyen durchaus eine überzeugte Europäerin sei und im Ausland einen guten Ruf habe. Er hätte es aber besser gefunden, wenn sie sich den Wählern bei der Europawahl gestellt hätte.

"Sie ist so gut wie gewählt"

Graf Lambsdorff erwartet jetzt von der Kandidatin, dass sie in den nächsten Wochen und Monaten ihre Vorstellungen klarmacht. Die Fraktion der Liberalen im Europaparlament sei bereit, sie erst einmal anzuhören und dann über die Wahl zu entscheiden. Wenn von der Leyen keine Fehler mache, sei sie so gut wie gewählt.

"Miserabler Eindruck im Ausland"

Die Personalie hat aus Sicht des Liberalen auch negative Auswirkungen auf das Erscheinungsbild Deutschlands in der Welt. "Da wird eine deutsche Kandidatin vorgeschlagen und ausgerechnet die deutsche Regierungschefin kann nicht zustimmen, weil der Koalitionspartner bockig ist." Laut Graf Lambsdorff macht das einen miserablen Eindruck im Ausland und schwächt Kanzlerin Merkel und Deutschland.

Alexander Graf Lambsdorff

"Von der Leyen ist ein unbeschriebenes Blatt"

NDR Info - Aktuell -

Die Nominierung Ursula von der Leyens als EU-Kommissionschefin stößt auf Widerstand. Auch Alexander Graf Lambsdorff von der FDP zeigt dafür wenig Verständnis.

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Auch kritisierte er den Umgang von Konservativen und Sozialdemokraten mit ihren Spitzenkandidaten im Vorfeld der Europawahl. Die EVP habe zu lange gebraucht, um zu erkennen, dass die Kandidatur von Manfred Weber als Kommissionspräsident gegen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron aussichtslos gewesen sei. Die Sozialdemokraten hätten wiederum nicht verstanden, dass ihr Kandidat Frans Timmermans in Osteuropa nicht vermittelbar sei. Sie hätten letztlich sagen müssen, dass sie die Kandidatin der Liberalen, Margrethe Vestager, nehmen, so Graf Lambsdorff.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 04.07.2019 | 07:50 Uhr