Stand: 18.07.2018 11:59 Uhr

Brok: "Wer in Seenot ist, muss gerettet werden"

Bild vergrößern
Elmar Brok (CDU) fordert, dass Menschenhändlern das Handwerk gelegt wird.

"Wenn Menschen in Seenot sind, müssen sie gerettet werden" - das hat der CDU-Europa-Abgeordnete Elmar Brok im Interview auf NDR Info klargestellt. Der ehemalige Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Europäischen Parlament verdeutlichte, es sei rechtliche wie humanitäre Pflicht, Menschen in Sicherheit zu bringen, die auf dem Meer seien und Angst um ihr Leben haben müssten, weil sie zu ertrinken drohten.

Kritik an Italiens Regierung

Auf die Situation privater Seenotretter im Mittelmeer ging Brok in dem Interview nicht ein, seine Kritik richtet sich aber direkt in Richtung Rom: "Wir haben eine Diskussion gegenwärtig mit der neuen italienischen Regierung, die sehr problematisch ist. Innenminister Matteo Salvini repräsentiert sicherlich nicht europäische Werte", sagte der Europa-Abgeordnete.

Brok zeigte jedoch auch in gewissen Fragen Verständnis für die betroffenen Mittelmeerstaaten - wie Italien, Malta oder Griechenland - und spielte auf die Diskussion in Deutschland über die Zurückweisung von Flüchtlingen an: "Wenn man sagt, man weist alle wieder zurück in die Länder, die sie aufgenommen haben, dann kommt in diesen Ländern natürlich die Diskussion auf: Warum sollen wir sie dann aufnehmen und registrieren?", sagte Brok.

"Wegschieben der Verantwortung ins Mittelmeer"

Der CDU-Europa-Politiker nennt das "ein Fortschieben der Verantwortung ins Mittelmeer mit den schlimmen Bedingungen für Flüchtlinge und deren Leben".

Europa braucht nach Meinung von Brok ein einheitliches Asylrecht. Die Staaten dürften nicht versuchen, nur die eigenen Grenzen dicht zu machen. Es müsse geklärt werden, wie der Schutz der Außengrenzen funktionieren könne.

Brok: Flüchtlings-Abkommen mit Nordafrika notwendig

Der CDU-Europa-Abgeordnete betonte die Notwendigkeit für ein Abkommen mit nordafrikanischen Staaten, vergleichbar mit dem Flüchtlingspakt mit der Türkei. "In der Ägäis sterben quasi keine Menschen mehr. Und es ist wichtig, dass man etwas Derartiges auch Richtung Afrika hinbekommt, damit diese Menschen nicht mehr so leicht auf das Meer kommen."

Den Schleppern müsse man das Geschäft nehmen, fordert Brok: "Diese Menschenhändler nehmen 1.200 Euro pro Person, setzen die Menschen auf Schlauchboote und überlassen sie ihrem Schicksal." Das sei eine unerträgliche Mordaktion.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 18.07.2018 | 06:50 Uhr