Forum am Sonntag

Zwei Schritte vor, einen zurück - 100 Jahre Frauenwahlrecht

Sonntag, 04. November 2018, 06:05 bis 06:30 Uhr, NDR Info

100 Jahre Frauenwahlrecht
Von Nicole Ahles

Es war ein bedeckter, etwas regnerischer Herbsttag in Deutschland - dieser 12. November 1918, als das Frauenwahlrecht in Form eines Aufrufs an das deutsche Volk verkündet wurde. Der Rat der Volksbeauftragten in Deutschland gab mit Gesetzeskraft bekannt:

Zitat "Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen."

Gut ein Jahr später durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal an der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung teilnehmen. Eine Revolution auf dem Weg zur Gleichstellung von Mann und Frau. Trotzdem sollte es noch mehr als 30 Jahre dauern, bis diese  ins Grundgesetz aufgenommen wurde.

"Männer und Frauen sind gleichberechtigt"

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Die Politikerin Elisabeth Selbert kämpfte für den schlichten Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt".

Eine, die Mumm hatte, war Elisabeth Selbert, Juristin und eine von vier Frauen, die 1948 im parlamentarischen Rat saßen. Sie kämpfte für den schlichten Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt". Dreimal wird dieser Satz abgelehnt, dann mobilisiert Selbert tausende Frauen, die auf die Straße gehen - und hat endlich Erfolg. In einer Radioansprache richtet sie sich danach ans Volk: "Der gestrige Tag, an dem im Hauptausschuss des parlamentarischen Rates in Bonn, Dank der Initiative der Sozialdemokraten die Gleichberechtigung der Frau in die Verfassung aufgenommen worden ist, dieser Tag war ein geschichtlicher Tag, eine Wende auf dem Wege der deutschen Frauen der Westzonen. Lächeln sie nicht, es ist nicht falsches Pathos einer Frauenrechtlerin, das mich so sprechen lässt. Ich bin Jurist und unpathetisch und ich bin Frau und Mutter und zu frauenrechtlerischen Dingen gar nicht geeignet." Doch auch dieser Satz in Artikel 3 des Grundgesetzes, so historisch er auch sein mochte, verfehlte zunächst seine vollständige Wirkung. Noch bis 1977 bestimmte der Mann, ob seine Ehefrau arbeiten gehen durfte oder nicht.

Das Wahlrecht ist selbstverständlich geworden, aber wo stehen wir heute mit der Gleichstellung? Auch 100 Jahre später sitzen im Bundestag immer noch nur 30 Prozent Frauen, weibliche Arbeitskräfte verdienen weiterhin weniger als ihre männlichen Kollegen und in den Vorstandsetagen muss man Frauen immer noch suchen. Eine gemischte Bilanz ist es, die Frauen aus drei Generationen  in dem Forum am Sonntag ziehen.