Forum am Sonntag

Lukrative Likes für die Kleinen

Sonntag, 30. Dezember 2018, 06:05 bis 06:30 Uhr, NDR Info

Ein älterer Mensch schmiegt den Kopf an die Hand eines jüngeren © f1online/creative collection

Familienblogger: Likes für die Kleinen

NDR Info - Forum am Sonntag -

Damit lässt sich viel Geld verdienen. Einige Familien präsentieren ihr gemeinsames Leben im Internet und sahnen mit Werbung ordentlich ab. Wie funktioniert das?

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Der Hype um das Familienbloggen
Eine Sendung von Katharina Kaufmann

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Eine große Anhängerschaft im Netz sorgt bei den Bloggern, Youtubern und Co. für ein gefülltes Konto. Aber ist es das wert?

Youtube, Instagram, Twitter - Internetplattformen gibt es viele und die Zahl der Menschen, die sich dort tummeln, steigt. Die meisten von ihnen pflegen ihre Profile in den sozialen Netzwerken wie ein lieb gewonnenes Hobby. Es gibt aber auch zunehmend Menschen, die ihr "Leben im Internet" zum Beruf machen. Sie lassen jeden, der möchte, an ihrem Alltag teilnehmen. Je mehr private Details sie dabei Preis geben, desto mehr Follower generieren sie. Und Follower bedeuten im Internet bares Geld. Denn Unternehmen bezahlen "Internet-Stars" nur dann, wenn ihre Werbung auf deren Seiten auch von vielen Menschen gesehen wird.

Kein Video für das Familienarchiv

Es ist eine private Szene, die sich im Wohnzimmer von Familie Hart abspielt. Festgehalten als Video, nichts Spektakuläres, aber eine schöne Erinnerung. Nur dass dieses Video keineswegs im Familienarchiv landet, sondern im Internet: Auf dem Youtube-Kanal "Baby Kind und Meer" und auf dem dazu gehörenden Blog. Wo noch, erklärt Mutter Mari am Ende des Videos: "Ich kann es gar nicht glauben, dass sie schon acht ist. Ich habe es gestern schon auf Instagram geschrieben und auch ein Baby-Bild gepostet. Gerne nochmal der Hinweis, folgt uns auch auf Instagram. Das ist www.instagram.de/babykindundmeer, dann verpasst ihr solche Momente und Schnappschüsse nämlich auch nicht."

Katarina Fiebelkkorn wohnt mit ihren vier Kindern in einem kleinen Häuschen am Rand des Dorfes Kisdorf. Ihr Mann arbeitet als Krankenpfleger im Schichtdienst. Die älteste Tochter ist sechs, der jüngste Sohn eins und die Zwillingsmädchen dazwischen sind 5 Jahre alt. Keines der Kinder geht in die Kita, dementsprechend wild, chaotisch und laut ist der Alltag der Fiebelkorns. Genau daraus will Katarina auf ihrem Blog "Blogprinzessin" keinen Hehl machen: "Jeder hat dreckige Wäsche zuhause. Die Frage ist halt nur, zeige ich sie oder zeige ich sie nicht. Wenn man immer nur in der Blase lebt mit, bei allen anderen ist alles nur super und durchgehend toll und die haben keine dreckige Wäsche und die Kinder haben auch keine schlechte Laune, dann glaube ich, dass man schon zuhause sitzen kann und sich vielleicht denken kann, verdammt bei uns ist alles ganz anders. Aber da ist ja das Schöne, da kommt dann mein Blog ins Spiel und bei meinem Blog gibt es dreckige Wäsche und schreiende Kinder und der Moment, wo man fertig ist und müde ist."

Der 46-jährige Kai Bösel ist einer der wenigen Väter in Deutschland, die erfolgreich einen Familienblog betreiben. "Daddylicious" nennt sich der Blog, den er gemeinsam mit seinem Kumpel Mark Bourichter im Jahr 2012 ins Leben gerufen hat. Damals hatte er nach der Geburt seiner heute sechs jährigen Tochter gerade mit der Elternzeit begonnen. Nur dass es online nirgends die Informationen gab, die Kai suchte: "Das Netz war rosa-rot. Es gab sehr viele Seiten für Mütter, Magazine für Mütter. Und mir fehlte ein Angebot von Vätern für Väter, wo ich mich informieren kann und mir meine Fragen beantwortet werden. Und meinem Freund Marc ging es genauso. Und dann haben wir beschlossen, unser eigenes Magazin zu starten und anderen Vätern Impulse zu geben, Hilfestellung oder einfach Geschichten aus unserem Leben zu erzählen, in der Hoffnung, dass das jemand gut findet. Und weil wir mit die ersten Papas waren, die das gemacht haben, sind wir dann sehr schnell gewachsen."

Wie gehen sie mit dem Druck um, immer wieder nachlegen zu müssen?

Eine große Anhängerschaft im Netz sorgt bei den Bloggern, Youtubern und Co also für ein gefülltes Konto. Aber ist es das wert? Wie gehen sie mit dem Druck um, immer wieder nachlegen zu müssen - eine neue Geschichte, ein neues Foto von sich selbst, vom Partner, vielleicht gar von den eigenen Kindern? Bleibt dabei wirklich alles authentisch? Und wie stecken die Internet-Stars Kommentare und Shitstorms weg? 

Das Forum am Sonntag will diesen Fragen auf den Grund gehen. Die Autorin begleitet drei Internetstars, die an verschiedenen Punkten in ihrer Karriere stehen. Sie berichten über schöne und finstere Seiten ihres Lebens im Netz, über die Art der Zusammenarbeit mit Werbeunternehmen, über Reaktionen im Umfeld und den Umgang mit ihrem Privatleben.