Forum am Sonntag

Ja!

Sonntag, 03. Juni 2018, 06:05 bis 06:30 Uhr, NDR Info

Ein Mädchen schaukelt und lacht dabei. © photocase.de Fotograf: pixel-kraft

Ja!

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In einer Gesellschaft, in der Wutbürger aufbegehren, haben Jasager keinen guten Ruf. Dabei kann das Ja sagen auch ein beglückender und selbstbewusster Akt sein.

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Über die Lust an der Zustimmung
Von Stefanie Pütz

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Das Ja sagen auch ein beglückender und selbstbewusster Akt sein.

In einer Gesellschaft, in der Wutbürger aufbegehren, haben Jasager keinen guten Ruf. Sie gelten als angepasste, opferbereite Menschen, die sich zu viel gefallen lassen. Dabei kann das Ja sagen auch ein beglückender und selbstbewusster Akt sein: wenn man von ganzem Herzen Ja zu einem Menschen oder zu einer Aufgabe sagt - und zwar ohne Wenn und Aber. Eine klare positive Entscheidung ist allerdings nur möglich, wenn man weiß, was man will - und wenn man theoretisch auch Nein sagen kann. In Zeiten, in denen immer mehr Dinge "alternativlos" erscheinen, könnte die Lust am Ja sagen allmählich verloren gehen.

Ja oder nein?

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Philosophen diskutierten sogar hundert Jahre lang darüber, ob man das Leben grundsätzlich bejahen kann.

Das ist die entscheidende Frage. An ihr haben sich in der Vergangenheit zahlreiche große Denker abgearbeitet. Wie zum Beispiel der griechische Philosoph Pythagoras. Er behauptete vor 2500 Jahren: "Die kürzesten Wörter, nämlich Ja und Nein, erfordern das meiste Nachdenken." Philosophen diskutierten sogar hundert Jahre lang darüber, ob man das Leben grundsätzlich bejahen kann. Was bis zur Aufklärung überhaupt nicht zur Debatte stand. Philosoph Markus Wirtz: "Und erst als dann mit der Moderne, mit der Aufklärung und dem 19. Jahrhundert der Tod Gottes von einigen europäischen Philosophen konstatiert wurde, also als Gott nicht mehr als letzter Garant da war, dann konnte man auch erst die allgemeine Frage stellen nach dem Sinn oder Unsinn des Daseins insgesamt. Also man kann wirklich sagen, dass es eigentlich eine krisenhafte Phase in der Denkgeschichte war, eben von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, das war weder vorher noch heute ist es eigentlich der Fall, dass man diese generelle Frage nach der Bejahung oder Verneinung des Lebens insgesamt philosophisch so stellt."

Die meisten Philosophen sagen übrigens ja zum Leben, erklärt Markus Wirtz. Nur ganz wenige - wie zum Beispiel Philipp Mainländer - konnten dem irdischen Dasein nichts abgewinnen. Dabei mache es keinen Unterschied, ob die Denker religiös waren oder nicht. Selbst Nietzsche, der lauthals den Tod Gottes ausgerufen hatte, war davon überzeugt, dass das Leben im Prinzip lebenswert sei.

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Ja!

21.05.2018 06:05 Uhr

Das Manuskript der NDR Info Sendung "Ja! Über die Lust an der Zustimmung" in der Reihe Forum am Sonntag als PDF-Dokument. Download (152 KB)

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