Stand: 18.04.2019 10:08 Uhr

In den Goldminen von Uganda

von Heike Janssen

Die Region Busia in Uganda lebt vom Gold. Viele Familien aus dem ganzen Land ziehen dort hin, auf der Suche nach Geld und Glück. Aber nur wenige finden es. Die meisten arbeiten unter lebensgefährlichen Bedingungen in schlecht gesicherten Schächten. In der ugandischen Hauptstadt Kampala kaufen meistens indischstämmige Afrikaner das Gold, verfeinern es und exportieren es nach Dubai. Von dort geht es in alle Welt. Es landet in Satelliten, Smartphones, Goldzähnen und Eheringen.

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Josephine Aguttuu ist Schatzmeisterin einer selbstorganisierten Genossenschaft von Minenarbeitern.

Der Lärm der Maschinen dröhnt schon von weitem zwischen Büschen und meterhohen roten Sandhaufen hervor. Wir sind in der Region Busia im Nordosten Ugandas, direkt an der kenianischen Grenze. "Ich bin Aguttu, Josephine. Die Goldminen bestimmen schon immer mein Leben. Wir machen das schon seit langer Zeit, wir sind seit 1930 hier, wir haben das von unseren Eltern und Großeltern geerbt, von einer Generation zur nächsten."

Josephine Aguttuu ist 45 Jahre alt, sie trägt einen schwarzen Rock und eine leuchtendblaue Bluse. Sie ist Schatzmeisterin von Tiira, einer selbstorganisierten Genossenschaft von Minenarbeitern. Unter den 19 Mitgliedern sind nur 4 Männer! Die Gruppe arbeitet auf einem fußballfeldgroßen Gelände.

Gold wird aus dem Sand gewaschen

Mehrere Frauen sitzen nahe der Straße auf dem Boden und zerschlagen mit großen Hämmern Steine, weiter hinten drehen sich große Metalltonnen, sie verursachen den Lärm, denn in ihnen werden goldhaltige Steine zu Sand zermahlen. In zwei Wasserbassins werden die Goldpartikel aus dem Sand herausgewaschen.  

Eine Frau steht dort bis zu den Knien im gelblichen Wasser, in einem bunten Tuch auf dem Rücken schläft ihr Baby. Sie füllt eine blaue Plastikschüssel mit Sand, taucht sie ins Wasser, und schwemmt mit kreisenden Bewegungen den meisten Sand heraus. Die schwereren Goldpartikel bleiben am Boden der Schüssel. Dann gießt die Frau einen Quecksilbertropfen aus einer Glasflasche in ihre Hand und lässt ihn in das Sand-Goldgemisch fließen. Das Gold verbindet sich mit dem Quecksilber und wird so vom Sand getrennt. Um das Gold aus der Mischung wieder herauszulösen, wird diese erhitzt.

Die gefährliche Rolle des Quecksilbers

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Die Arbeit in den Gruben ist gefährlich.

"Dass Quecksilber giftig ist wussten wir lange nicht, einige Frauen fassten es früher an, es geriet in die Nahrung, denn die Löffel in denen wir das Quecksilbergoldamalgam erhitzten, wurden danach für Essen benutzt! Viele sind krank geworden, viele Frauen haben Sehstörungen, im Alter von 30, sie können nicht mal mehr in der Bibel lesen!" sagt Joesphine. Quecksilberdämpfe können die Nerven schwer schädigen. Wenn Quecksilber über Wasser und Böden in die Nahrungskette gerät, macht es krank.

Doch das ist nicht die einzige Gefahr. Einige der Gruben, aus denen das Gold gewonnen wird, sind weitläufig und flach. Dort ist die Arbeit ungefährlich. Aber andere Gruben sind viele Meter tief und haben steile, ungesicherte Wände. Oft treiben die Goldsucher unten am Boden noch schmale Schächte weiter in die Erde. Sie folgen den Adern, viele Meter senkrecht und manchmal am Grund noch waagerecht weiter. Besonders in der Regenzeit sackt die vom Wasser schwere Erde häufig in sich zusammen.

Nicht jeder überlebt die Goldsuche

Paul Emuculot ist 76, für ugandische Verhältnisse ist der kleine, verschmitzt lächelnde Mann sehr alt und er hat schon viele sterben sehen. "Die Arbeit in den Minen ist sehr gefährlich. Wir haben viele Leute verloren. Die Minen warnen Dich nicht vor, wenn sie einstürzen. Aber wir haben keine andere Möglichkeit Geld zu verdienen. Wir begraben die toten Körper und machen weiter."

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2013 haben sich Minenarbeiter zur ersten Kleinbergbaugenossenschaft Afrikas zusammengeschlossen.

2013 haben sich Minenarbeiter zur ersten Kleinbergbaugenossenschaft Afrikas, SAMA, zusammengeschlossen, auch Josephines Gruppe Tiira gehört dazu. SAMA nimmt an Programmen für fair gehandeltes Gold teil. Die Mitarbeiter bekommen ein festes Gehalt und werden nicht nur pro Gewicht des gewaschenen Goldes bezahlt. Eine Lizenz von der Regierung erlaubt ihnen, offiziell ihr Gold zu verkaufen.

Die Solidarität der Minenarbeiter

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Gold bedeutet in Uganda Hoffnung auf besseres Leben.

Betty arbeitet in der ersten offiziellen Fair Trade Mine Ugandas. "Wir lernen wie man einen Schacht sicher baut, er wird mit Holzstämmen ausgekleidet, zur Stabilisierung. Seit unseren Trainings haben wir hier keine Unfälle gehabt. Darum kommen andere Minenarbeiter hierher um zu sehen, wie wir arbeiten."

Wir besuchen eine der Gruben. Sie ist etwa fünf Meter tief. Wir dürfen nur zu zweit gleichzeitig hinunterklettern - Einsturzgefahr trotz Befestigung. Am Grund führt ein mit Stämmen befestigter Schacht weiter nach unten. Er ist etwa zehn Meter tief. Ben Omollo ist gerade aus dem Schacht herausgeklettert. Mit bloßen Händen und Füßen sucht er Halt in den Ritzen zwischen den Holzbohlen. "Ich brauche das Gold zum Überleben. Ich habe vier Kinder. Sie sollen eine gute Ausbildung erhalten, sie sollen nicht in den Minen arbeiten müssen. Wie ich. Meine Kinder sollen es besser haben. Natürlich frage ich mich manchmal am Morgen, ob ich lebend zurückkomme. Wenn du hierher kommst, dann musst du mit allem rechnen."

99 Prozent der Goldgräber in Uganda suchen unorganisiert und illegal nach dem wertvollen Metall. In ihren Minen arbeiten auch Kinder. In den illegalen Gruben gibt es keine Sicherheitsvorkehrungen, und die Arbeiter müssen ihr Gold ungeschützt vor Kriminellen auf dem Schwarzmarkt loswerden. Neben dem Quecksilber nutzen sie auch hochtoxisches Zyanid. Es wird oft in den überfüllten Sammelbussen geschmuggelt.

 Die Hoffnung auf ein besseres Leben

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In den Gruben besteht oft Einsturzgefahr.

Warum setzen die Menschen ihr Leben aufs Spiel? Die rote Erde in Uganda ist sehr fruchtbar. Die Bauern pflanzen Kochbananen, Reis, Maniok und Bohnen. Doch Landwirtschaft ist hier sehr mühsam. Die meisten Männer und Frauen arbeiten barfuß auf den Äckern, mit Hacken oder Schaufeln, sie schleppen die Feldfrüchte mit dem Rad, auf dem Rücken oder auf dem Kopf in der Hitze nach Haus und zum Markt. Es reicht gerade so zum Überleben. Gold bedeutet dagegen: viel und schnelles Geld.

Auch Paul Emuculot hat durch Gold sein Glück gefunden, er konnte sich ein Ingenieursstudium leisten und etwas Land kaufen. "Das Gold hier in der Region, hat immer den armen Leuten geholfen. Wenn du jung bist und kein Geld hast, dann überlegst du wie du an Geld kommst, und fängst an zu stehlen, wer aber Arbeit in den Minen findet, kann sich ein Haus bauen, ein Auto kaufen. Mein Glück kommt wirklich vom Goldsuchen. Mein Glück lag in der Mine. Ich erinnere mich genau. Ich war jung. Da gab es diese Gruppe von Weißen die Gold suchten. Sie warfen einen Stein weg. Ich schlug ihn auf. Und dann weckte etwas meine Aufmerksamkeit: etwas Kleines, Glänzendes. Es war Gold. Ich zeigte es meinem Vater. Er sagte: lauf schnell, hole den Stein. Er bearbeitete den Stein, holte das Gold heraus. Dadurch konnte ich zur Schule gehen. Ich weiß was die Arbeit in den Minen bedeutet und wie es hilft. Ich habe Glück gehabt, Ich bin jetzt alt, 76, und ich lebe noch!"

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Echo der Welt

Jeden Sonntag sendet das Auslandsmagazin Echo der Welt Reportagen und Berichte aus aller Welt. Hier finden Sie die NDR Info Sendung als Podcast zum Nachhören und Runterladen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Echo der Welt | 21.04.2019 | 13:30 Uhr