Die Reportage

Schnelles Geld im Pfandleihhaus

Sonntag, 20. Mai 2018, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Hand hält 10-Euro-Scheine © Fotolia.com Foto: mnimage

Schnelles Geld im Pfandleihhaus

NDR Info - Die Reportage -

Finanzielle Sorgen treiben Menschen in die Pfandleihhäuser. Für den Pfandleiher ist die Geldnot fremder Menschen ein sicheres Geschäft. Der Alltag im Pfandleihhaus.

4 bei 4 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Wenn das Erinnerungsstück zum Lebensretter wird
Von Beke Schulmann

Bild vergrößern
Im Leihhaus bekommen Bedürftige einfach einen Kredit, ohne ihre Kreditwürdigkeit nachweisen zu müssen.

Das Leihhaus Werdier hat seinen Sitz in Hamburg-Harburg. Es sind Eltern mit Kindern, Rentner, junge Menschen, Sozialhilfeempfänger und Unternehmer, die ins Leihhaus kommen, um einen schnellen Kredit zu bekommen. Sie beleihen vor allem Schmuck, sagt Mitarbeiter Leonardo Otero: "Andere geben uns ihre Handys her, wenn sie in einer Notlage sind, je nachdem wie groß die Familien sind, werden auch ab und zu mal kleinere Familien, die hatten gerade nochmal Nachwuchs gekriegt, bringen nochmal was rein und dann jetzt nochmal was brauchen fürs Wochenende, weil der Monat jetzt ziemlich lang war, dann gibt es auch noch die Experten, die kommen Freitags und holen‘s Montag wieder ab, weil sie nur übers Wochenende kurz was brauchten, das sind nicht immer so die Hauptfälle, aber einzelne."

An Weihnachten wird das Geld oft knapp

Jeden Tag bringen etwa 50 Kundinnen und Kunden ihre Habseligkeiten in das Leihhaus - hier bekommen sie einfach einen Kredit, ohne ihre Kreditwürdigkeit nachweisen zu müssen - nur ihren Ausweis müssen sie vorlegen. Deswegen gingen viele Leute lieber ins Leihhaus als zur Bank. Banken schauten genauer hin, wem sie einen Kredit geben und wem nicht, sagt Mitarbeiterin Ines Zapel. Besonders viele kommen am Monatsende, wenn das Geld knapp wird. Es kommt aber auch auf die Zeit im Jahr an, ob das Geld ausreicht oder nicht: "An Weihnachten ja, im Januar ja, viele Rechnungen sind zu bezahlen, dann auch in den Sommermonaten, die Leute wollen auch in den Urlaub fahren oder wollen ihre Familien besuchen, dann bringen sie ihr Gold hierher." Bis zu vier Monate haben die Kundinnen und Kunden im Leihhaus Zeit, um die Pfänder wieder auszulösen.

Die Geldnot fremder Menschen ein sicheres Geschäft

Finanzielle Sorgen treiben Menschen in die Pfandleihhäuser, denn dort können sie ihre Wertsachen gegen Geld eintauschen – immer mit der Hoffnung, die Habseligkeit später wieder auslösen zu können. Was nicht wieder ausgelöst wird, wird versteigert. Für den Pfandleiher ist die Geldnot fremder Menschen ein sicheres Geschäft: die Armut der anderen sichert sein Auskommen. Wie gehen die Mitarbeiter mit den Geschichten ihrer Klienten um? Und wie fühlt es sich an, ein liebgewonnenes Erinnerungsstück zu verpfänden? Die Reportage begleitet den Alltag im Pfandleihhaus.