Die Reportage

"Kinder, ich gehe ins Kloster"

Montag, 17. April 2017, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Blick auf die Klosterkriche von Ebstorf © Kloster Ebstorf

Kinder, ich gehe ins Kloster

NDR Info -

Eine Reportage über Frauen, die nach einem eigenständigen Leben in Beruf und Familie selbstbewusst sagen: Ich gehe ins Kloster! Zum Beispiel ins Kloster Ebstorf.

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Evangelische Konventualinnen in Ebstorf
Von Gisela Jaschik

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Blick auf den Äbtissinnenflügel des Klosters Ebstorf.

Sechs mittelalterliche Frauenklöster haben sich in der Lüneburger Heide erhalten: Lüne, Isenhagen, Medingen, Wienhausen, Walsrode und Ebstorf.  Nach der Reformation wurden sie alle in evangelisch-lutherische Damenstifte umgewidmet, so genannte Konvente. Während vor Jahrhunderten vor allem alte Jungfern und Witwen aus reichen Adelsfamilien ihren Lebensabend zurückgezogen hinter Klostermauern verbrachten, sind es heute Frauen, die nach einem eigenständigen Leben in Beruf und Familie selbstbewusst sagen: Ich gehe ins Kloster! Zum Beispiel ins Kloster Ebstorf im Landkreis Uelzen.

Evangelische Klöster gibt es nur in Niedersachsen

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Erika Krüger ist seit 15 Jahren die Äbtissin des Ebstorfer Klosters, hier mit einem Modell des Klosters.

In Pullover und langer schwarzer Hose sitzt Erika Krüger, die Äbtissin des Klosters Ebstorf, in ihrem Büro mit der handbemalten historischen Gewölbedecke. Papier- und Bücherstapel türmen sich vor ihr auf dem Tisch. Hingucker an der Wand dahinter: ein schelmisches Portrait von Joachim Ringelnatz, den die 71jährige sehr mag. Mit Mitte 50 trat die gebürtige Bremerin das Amt der Äbtissin an. "Frau Krüger" war einmal, seitdem heißt sie offiziell "Frau Äbtissin." Evangelische Klöster blieben seit der Reformationszeit nur in Niedersachsen erhalten. Kloster Ebstorf ist eines von sechs Heideklöstern, in denen nach der Reformation ausschließlich Mädchen und Frauen aus betuchten Adelsfamilien untergebracht wurden. Seit über 200 Jahren gehören die Klöster als selbständige Körperschaften des öffentlichen Rechts zur Klosterkammer Hannover. Wie viele andere hatte auch Erika Krüger nie von evangelischen Klöstern gehört. Sie hatte keine Ahnung von den Bewohnerinnen, den Konventualinnen, die die kostbaren Kunst- und Kulturgüter bewahren.

Ein Ort für die Seele

Die gelernte Bauzeichnerin war geschieden und hatte zwei Kinder allein groß gezogen. Ihr Wunschberuf Lehrerin scheiterte am damaligen Einstellungsstopp. Von der Heimleiterin bis zur PR-Beraterin und Schwesternhelferin übte sie viele Berufe aus: "Das kommt mir heute alles zugute. Ich bin dann hergekommen, hab es mir angesehen und habe festgestellt: das ist etwas was ich packen kann." Zuerst aber fragte sie noch ihre Kinder: "Was haltet Ihr davon, wenn ich ins Kloster gehe? Meine Kinder haben vor Lachen fast am Boden gelegen. Haben gesagt: du und Kloster - das geht doch nicht. Ich hab mir eine Frist gesetzt von einem viertel Jahr. Weil ich mir gedacht hab: du musst für dich Klarheit kriegen, ob das wirklich dein Weg ist. Nach einem viertel Jahr wusste ich: ich gehe hier nicht wieder weg. Das ist hier ein wunderschönes Leben. Es ist einfach ein Ort für die Seele."

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Kloster Ebstorf

17.04.2017 06:30 Uhr

Das Manuskript der NDR Info Reportage "Kinder, ich gehe ins Kloster - Evangelische Konventualinnen in Ebstorf" als PDF. Download (192 KB)