Die Reportage

Großer Traum auf kleiner Fläche

Mittwoch, 31. Oktober 2018, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Wie Kirche den Ökolandbau fördern kann
Von Brigitte Lehnhoff

Bild vergrößern
Nur leichte humusschonende Landmaschinen dürfen noch auf den Acker.

Johannes Walzer träumte schon als Schüler davon, in seiner Heimat Mecklenburg selbstständiger Landwirt zu sein. Er studierte Ökolandbau und Ökoagrarmanagement. Doch Existenzgründer wie der 27-Jährige stehen vor einem Riesenproblem: Boden ist zum Spekulationsobjekt geworden. Die Kauf- und Pachtpreise in Mecklenburg-Vorpommern sind in den letzten zehn Jahren explodiert. Die Chance für Johannes Walzer war ein Angebot der Nordkirche. Auf kleiner Fläche lebt er nun seinen großen Traum, allen bürokratischen Hürden und Vorurteilen zum Trotz.        

Alles noch im Werden

Bild vergrößern
Die Bio-Landpartie und das Hoffest in Boienhagen ist gut besucht.

Boienhagen im Nordwesten von Mecklenburg. Etwas außerhalb des Dorfes, auf einer kleinen Anhöhe, liegt eine alte Hofstelle. Links der Einfahrt ein Kieshaufen, rechts gestapelte neue Dachpfannen und Bauschutt. Dazwischen Johannes Walzer: 27 Jahre alt, braungebrannt, in T-Shirt, Cargoshorts und Plastikschuhen, auf dem Kopf eine sandfarbene Schirmmütze, er meint: "Man sieht direkt geradezu - unser Wohnhaus - ist ein alter Dreiseithof, links und rechts sind zwei Scheunen und noch ein altes Stallgebäude. Und man sieht unsere riesig große Baustelle. Alles ist hier noch im Werden sozusagen." Doch wo es hingehen soll, ist schon zu erkennen. Walzer will eine Landwirtschaft gestalten, die vielfältig ist, umweltschonend produziert und Tiere artgerecht hält. Zum Hof gehören 40 Hektar, sieben hat der junge Landwirt gepachtet. "Der Eigentümer von Hofstelle und den 40 Hektar Land ist die Nordkirche."

Wie Landwirtschaft betreiben, wenn es keine Höfe gibt?

Bild vergrößern
Agrarreferent Ulrich Ketelhodt (links) verhalf Existenzgründer Johannes Walzer zu einem Stückchen Land.

Abstecher in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt. Dort hat das Kirchenamt seinen Sitz, die oberste Verwaltungsbehörde der Nordkirche. Aber auch übergemeindliche Fachdienste haben in Kiel ihre Büros, etwa der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt, kurz KDA. Um Fragen der Landwirtschaft kümmert sich dort Agraringenieur Ulrich Ketelhodt. Er berät zum Beispiel Kirchengemeinden, die Land besitzen und dies verpachten. Von rund 1000 Gemeinden sind das immerhin mehr als 800. "Als Agrarreferent der Nordkirche sehe ich es mit großer Besorgnis, dass der ländliche Raum ausblutet, dass die landwirtschaftlichen Betriebe reihenweise zumachen und damit auch eine Konzentration stattfindet, die auch sozial und ökologisch eine Verarmung darstellt, jetzt mal ganz grundsätzlich gesagt. Und zugleich treff ich auch in meiner Arbeit immer wieder auf junge Menschen, die gerne Landwirtschaft betreiben wollen, aber keinen Hof haben."

Downloads
150 KB

Großer Traum auf kleiner Fläche

Das Manuskript der NDR Info Reportage "Großer Traum auf kleiner Fläche - Wie Kirche den Ökolandbau fördern kann" als PDF-Dokument. Download (150 KB)