Die Reportage

Fremde Vögel in der Pampa

Sonntag, 26. August 2018, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Nandu © NDR Foto: Axel Köhn aus Schwerin

Fremde Vögel in der Pampa

NDR Info - Die Reportage -

Eigentlich gehören Nandus nach Südamerika. Vor 18 Jahren sind ein paar der großen, straußenartigen Vögel aus einem Gehege in Lübeck entfleucht.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Unterwegs mit den Nandu-Zählern vom Schaalsee
Von Alexa Hennings

Bild vergrößern
In Mecklenburg lebt die größte freilebende Nandu-Population Europas.

Eigentlich sind sie in der Pampa in Südamerika zuhause, die Nandus. Irgendwann haben die großen, straußenartigen Vögel erkannt, dass es sich auch in Mecklenburg gut leben lässt, denn hier gibt es auch eine Art Pampa: viel Natur, wenig Menschen. Vor 18 Jahren sind ein paar Nandus aus einem Gehege bei Lübeck entfleucht. Sie schwammen über das Flüsschen Wakenitz und wanderten in Mecklenburg ein. 244 Tiere sind es inzwischen, die größte freilebende Nandu-Population Europas. Zweimal im Jahr macht sich ein Nandu-Suchtrupp auf, um die Tiere zu zählen. Jedes Jahr werden es mehr, die Nandus sind schlauer als der Mensch, der gern weniger von ihnen sähe. 

Gelege und Eier zerstört, Küken getötet, Tiere erschossen

Bild vergrößern
Die Eier der Nanus werden angebohrt, um die Nachkommenschaft zu reduzieren.

Vor allem die Bauern haben etwas gegen die großen Vögel, die besonders im Winter auf den Feldern in den jungen Rapspflanzen und Getreidesaaten wildern. Deshalb werden - offiziell - Eier angebohrt, um die Nachkommenschaft zu reduzieren. Und - inoffiziell - Gelege und Eier zerstört, Küken getötet, Tiere erschossen - was gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen verstößt, das die Nandus zu den streng geschützten Arten zählt. Holger Quardokus vom Biosphärenreservat Schaalsee erklärt: "Eine Lieblingsspeise der Nandus ist ja der Raps, viele pflanzliche Proteine, wo richtig viel Energie drin ist. Zum Leidwesen der Bauern. Aber es ist natürlich auch die Monokultur, die ein massenhaftes Nahrungsangebot haben und die Tiere davon profitieren logischerweise. Ja, wenn man das auch sieht, wie viele Nandus auf den Feldern sind und was es zum Teil für Schäden gibt, kann ich den Unmut auch gut verstehen. Umso mehr ist es schade, dass keine Landwirte heute bei der Zählung dabei sind. Um auch einfach mal ins Gespräch zu kommen. Oder dass sie auch sehen, wie wir im Rahmen des Monitorings vorgehen. Dass sie einfach sehen, dass wir das ernst nehmen, dass wir jedes Tier aufnehmen und nicht welche unterschlagen!"

Die Reportage begleitet die Nandu-Zähler bei ihrer großen Zählung.