Die Reportage

"Dree is Oostfresenrecht"

Sonntag, 18. Februar 2018, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Die Ostfriesen und ihr Tee
Von Martina Bittermann

In Ostfriesland wird bis zu sechsmal am Tag Tee getrunken, und zwar jeweils drei Tassen - denn "dree is Ostfriesenrecht“. Pro Kopf kommt so im Jahr ein Tee-Konsum von 300 Litern zusammen - mehr als zehn Mal so viel wie im deutschen Durchschnitt. Das Teetrinken hat im Nordwesten eine lange Tradition. Schon früh kamen die Ostfriesen durch Lieferungen britischer und niederländischer Schiffe auf den Geschmack. Zunächst war das Getränk allein den gehobenen Schichten vorbehalten, setzte sich aber im späten 18. Jahrhundert in der gesamten Bevölkerung durch. Der Ostfriesentee ist eine spezielle Schwarzteemischung. Sie wird vor Ort nach ganz bestimmten Regeln zusammengestellt.

Das Ostfriesische Teemuseum

Bild vergrößern
Museumsleiter Matthias Stenger, geborener Aschaffenburger, ist in Ostfriesland zum überzeugten Teetrinker geworden.

Seit fünfeinhalb Jahren leitet Matthias Stenger das Ostfriesische Teemuseum im historischen Rathaus in Norden. Es liegt  am Markplatz hinter dem Glockenturm der St. Ludgeri Kirche mit ihrer bekannten Arp Schnitger-Orgel. Im Teemuseum dreht sich alles um die Leidenschaft der Ostfriesen. Der Historiker Matthias Stenger hat schon in vielen Städten gelebt, bevor er aus dem Rheinland nach Norden gekommenen ist. Wie sehr das Teetrinken das Leben der Menschen in Ostfriesland bestimmt, hat ihn überrascht. "Sie kommen am Teetrinken, auch wenn sie jetzt nicht das Ostfriesische Teemuseum leiten, nicht vorbei: Es wird bei geschäftlichen Treffen Tee getrunken, es wird, wenn sie einen Handwerker zuhause haben, dann kriegt er auch einen Tee, wenn sie jemanden einladen wird Tee getrunken. Und wenn sein dann und es dauert auch nicht lang zum passionierten Teetrinker geworden sind, dann bestimmt er wirklich den Tagesablauf. Also auch unser privater Tagesablauf ist mittlerweile: Er beginnt mit Tee und das war für meine Frau erst unvorstellbar, die passionierte Kaffeetrinkerin auch ist. Aber ihr Tag beginnt mittlerweile auch mit einem Ostfriesentee und zwar freiwillig."

Ostfriesentee - jetzt immaterielles Kulturerbe der UNESCO

Bild vergrößern
In Ostfriesland wird bis zu sechsmal am Tag Tee getrunken - und zwar jeweils drei Tassen - denn "dree is Ostfriesenrecht".

Im Erdgeschoss des Museums läuft die Teebeutelpackmaschine. Mehr als 50 Jahre ist sie alt. Seit dem zweiten Weltkrieg wird besonders feiner Tee, sogenannte Fannings, in Teebeutel gepackt. Bis der Supermarkt den Kolonialwarenhandel ablöst, stehen bei den Händlern in Norden und anderswo große Dosen in den Regalen. Aus denen schaufelt der Kaufmann mit einer Schütte den Tee in Dreieckstüten, wiegt sie auf der Balkenwaage ab und rollt sie zusammen. Das ist auch in Ostfriesland lange her. Vieles hat sich verändert im Laufe der Zeit. Aber die Teezeremonie spielt bis heute in vielen Familien eine große Rolle. Dabei darf der Tee nicht gerührt werden, sondern man genießt ihn in drei Schichten: Kluntje, Tee und Sahne. Jetzt ist die ostfriesische Teekultur in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen worden.