Die Reportage

Das Rennpferd des kleinen Mannes

Donnerstag, 10. Mai 2018, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Mehrere Tauben auf einer Treppe. © picture alliance / blickwinkel Fotograf: fotototo

Im Taubenschlag der Brieftaubenzüchter

NDR Info - Die Reportage -

Herbert Bähre ist Brieftaubenzüchter. In seinem Schlag in Lehrte hat er rund 100 Tauben. Wie sie aus 600 Kilometer Entfernung den Weg zurück finden, kann keiner erklären.

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Im Taubenschlag der Brieftaubenzüchter
Von Michael Hollenbach

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Die besten Tauben legen bis zu 1000 Kilometer zurück.

Herbert Bähre gehört der Reisevereinigung Hannover-Hildesheim an, doch nicht der Mann aus Lehrte ist ständig auf Reisen, sondern seine Tauben. Herbert Bähre ist Brieftaubenzüchter. In seinem Schlag hat er rund 100 Tauben, die er regelmäßig per LKW bis nach Polen transportieren lässt. Und dort werden dann Hunderte der Vögel aufgelassen. Dass sie aus 600 Kilometer Entfernung in nur sieben Stunden den Weg allein zurückfinden, kann die Wissenschaft bis heute nicht erklären. Selbst den Jungtauben - erst wenige Monate alt - gelingt es, über rund 300 Kilometer zurück nach Hause zu fliegen und den heimatlichen Taubenschlag zu finden. Die besten Tauben legen bis zu 1000 Kilometer zurück. Wie sie das schaffen, genau in ihren Schlag zurückzufinden, ist bis heute nicht ganz geklärt meint Herbert Bähre: "Man hat diverse Untersuchungen gemacht mit Augenverbinden, alles Mögliche. Man geht davon aus, dass sie sich am Magnetfeld orientieren, also 100 prozentig ergründet ist das noch nicht. Die Nase spielt wohl auch eine Rolle. Das heißt, wenn die Tauben Schnupfen haben, dann werden solche Tauben auch nicht gesetzt."

Umsatz von mehr als vier Millionen Euro

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Bis zu 300.000 Euro zahlen taubenvernarrte Chinesen für schnelle Flieger.

Doch die Brieftauben sind nicht nur ein Hobby pensionierter Züchter. Mit ihnen kann man ein Vermögen verdienen. Brieftauben werden längst online gehandelt; Taubenbroker wie Pigeon Paradise machen Millionenumsätze mit ihrem Spitzengeflügel. Besonders attraktiv ist der Markt in China. Bis zu 300.000 Euro zahlen taubenvernarrte Chinesen für schnelle Flieger wie die Taube "Bolt". Taubenbroker Piet Blom arbeitet bei Pipa, gelegen in der belgischen Kleinstadt Knesselare in der Nähe von Gent. Das zwei Hektar große Gelände ist mit Stacheldraht und Kameras gesichert. Pipa ist ein Internethändler – eine Art ebay für Brieftauben. Die Verkaufsagenten von Pipa suchen in ganz Europa nach Tauben mit guten Stammbäumen und den besten Flugergebnissen: "Wir haben zum Beispiel die teuerste Taube verkauft, das war dieses Jahr: 360.000 Euro für eine Taube, und im Jahr 2013 hatten wir eine Versteigerung mit einem Umsatz von mehr als vier Millionen Euro."