Die Reportage

Arbeitsplatz Kirchturm

Sonntag, 29. Mai 2016, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Unterwegs mit einem Glockenexperten
Von Brigitte Lehnhoff

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Provisorische und gefährliche Aufstiege in Kirchtürme sind nicht selten.

Bequeme Treppen, schmale Holzleitern, gefährliche senkrechte Aufstiege: alle Varianten erlebt Andreas Philipp, wenn er in Kirchtürmen zu seinem Arbeitsplatz hinaufsteigt. Der studierte Diplomphysiker ist Glockensachverständiger und wird gerufen, wenn der Ton nicht mehr stimmt oder gar eine neue Glocke notwendig ist. Er berät Kirchenvorstände, forscht in Archiven und prüft in der Gießerei, ob die neue Glocke gelungen ist.

Die Hannoversche Landeskirche hat ungefähr 1950 Geläute

Heute ist er in Hannover und im Landkreis Nienburg/Weser unterwegs. Solche Touren gehören zum Alltag. Denn der Glockenexperte ist nicht nur für die hannoversche Landeskirche unterwegs, sondern auch für die katholischen Bistümer Erfurt und Hildesheim. Im Gegensatz zu anderen Kollegen ist er Sachverständiger im Hauptberuf: "Ja, ich habe das zu meinem Hauptberuf gemacht und habe auch entsprechend viele Kirchtürme zu betreuen, so dass sich das lohnt, allein schon die Landeskirche hier in Hannover hat ungefähr 1950 Geläute und die Entfernungen sind so groß, dass ich da immer genug zu tun habe und mich nicht langweile." Andreas Philipp, 52 Jahre alt, sitzt entspannt hinter dem Steuer. Der diplomierte Physiker erzählt, dass er sich schon als Jugendlicher für Glocken interessierte und Pfarrämter anschrieb, um Daten zu bekommen.

Eindrücke der Arbeit eines Glockenexperten

Eine Gelegenheit, etwas zu bearbeiten, was nicht so bekannt ist

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Glockenexperte Andreas Philipp begutachtet auch die Glocke in der St. Bartholomäus-Kirche in Balge im Landkreis Nienburg/Weser.

Gleich nach dem Studium ließ er sich in Heidelberg zum Glockensachverständigen ausbilden, beim Beratungsausschuss für das deutsche Glockenwesen, einem ökumenisch besetzten Gremium. Was den Beruf für ihn so attraktiv macht, beschreibt er so: "Also einerseits und hauptsächlich sind das ja Musikinstrumente, aber die Musikinstrumente sind verziert und beschriftet und die bewegen sich in einem technischen Umfeld aus Glockenturm, Glockenstuhl, Joch und Klöppel. Die Arbeit hat viele Facetten, das ist die Arbeit in den Kirchtürmen, aber auch die Forschung im Kirchengemeindearchiv und der Kontakt mit den Entscheidungsträgern vor Ort, den Geistlichen, den Kirchenvorstehern, die von den Projekten, die ich vorschlage, überzeugt werden müssen und dieser ganze Komplex ist sehr interessant und gibt Gelegenheit, etwas zu bearbeiten, was nicht so bekannt ist, was also auch nicht so abgegrast ist."

Andreas Philipp ist unterwegs für die Hannoversche Landeskirche, die Bistümer Erfurt und Hildesheim. Wir haben den Experten begleitet.

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Arbeitsplatz Kirchturm

29.05.2016 06:30 Uhr

Das Manuskript der NDR Info Reportage "Arbeitsplatz Kirchturm - Unterwegs mit einem Glockenexperten" als PDF. Download (156 KB)