Die Reportage

Ärztemangel auf dem Land

Sonntag, 14. Januar 2018, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Schleswig-Holstein auf der Suche nach dem Landarzt
Von Knut Benzner

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In den nächsten Jahren werden rund 600 Mediziner in Schleswig-Holstein in Rente gehen.

Die Lage ist ernst: Schleswig-Holstein braucht dringend Lösungen für den drohenden Medizinermangel auf dem Land. Den Landarzt, der nach einem langen Tag in seiner Praxis noch zu seinen Patienten auf die kleinen Dörfern fährt, gibt es nur noch selten. Ältere niedergelassene Ärzte haben Probleme, überhaupt einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden. In den nächsten Jahren werden rund 600 Mediziner in Rente gehen - ein Drittel aller Allgemeinmediziner. Nachwuchs in dieser Größenordnung ist momentan nicht in Sicht. Insbesondere an der Westküste Schleswig-Holsteins müssen Patienten jetzt schon mit einem Anfahrtsweg von rund 40 Kilometer zu ihrem Hausarzt rechnen.

Niederlassen möchten sich junge Ärzte, aber mit Einschränkungen

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Marco Dethlefsen, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holsteins.

In Bad Segeberg sitzt die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein. Sie sorgt, so ihr Eigenbild, u.a. dafür, dass in Schleswig-Holstein Ärzte und Psychotherapeuten vorhanden sind, sie vereinbart mit den Krankenkassen die Honorare für die Ärzte und Psychotherapeuten, sie setzt sich berufspolitisch dafür ein, dass Freiberuflichkeit, Niederlassungsfreiheit und freie Arztwahl gewahrt bleiben. Sie nimmt sich außerdem der Angelegenheit des Ärztemangels auf dem Lande an. Niederlassen möchten sie sich schon, die jungen Ärzte, aber mit Einschränkungen: Marco Dethlefsen, 46, seit zehn Jahren Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein meint dazu: "Die Einstellung  zum Beruf hat sich auch ein bisschen geändert bzw. das, was man mit dem Beruf verbindet: Also die junge Ärztegeneration möchte jetzt nicht mehr vielleicht 50, 55 Stunden in der Woche arbeiten, dauernd verfügbar sein für den Patienten, auch diese Kombination, die es oftmals gerade auf dem Land gibt, von Praxis und Wohnung oder Haus, das gleich direkt neben der Praxis ist, das passt nicht mehr in die Vorstellungen der jungen Ärztegeneration, die möchten eben eine geregelte Arbeitszeit haben, möchten sich auch oftmals anstellen lassen in der Praxis, scheuen teilweise so ein bisschen die freiberufliche Selbständigkeit einer ärztlichen Tätigkeit und haben ganz andere Vorstellungen."

Nicht mehr zeitgemäß?

Die vorangegangene Generation, die einfach aufs Land gegangen ist und nach wie vor praktiziert, habe das einfach gemacht, habe investiert, viel Zeit, viel Geld, wenn es lief: Viel Arbeit. Und viel Geld. Die jetzige Generation, sagt Dethlefsen, möchte Beruf und Familie miteinander vereinbaren. Und genau das gehe insbesondere für Ärztinnen nicht. Für Ärztinnen, die Kinder bekommen wollen, die eine Familie gründen wollen, das sei nicht mehr zeitgemäß? Die Ärztin, die bereits Familie und Kinder hat, als alleinige Verdienerin, den Mann, den sicherlich studierten Mann als Hausmann? Ein altes Haus, ein Landhaus, ein Bauernhaus, gemeinsam umgebaut, als zukünftlich-familiäres Konzept? Kommt nicht vor? Dethlefsen sagt dazu: "Nein, die junge Ärztegeneration möchte, wenn sie überhaupt aufs Land gehen möchte, nicht mehr in die Einzelpraxis, sie möchte dann in eine Kooperation, d.h. also Gemeinschaftspraxis, Praxisgemeinschaft, zusammen mit Kolleginnen und Kollegen arbeiten, und wir haben gerade auf dem Land eben viele Einzelpraxen, und das widerspricht eben den Lebenskonzepten der jungen Ärztegeneration."

In der Reportage berichten zwei Landärzte von ihrem täglichen Leben, ihren Erfahrungen und ihrer Entscheidung, in die Provinz zu gehen.