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Zahl der U-Häftlinge um ein Viertel gestiegen

Mittwoch, 24. April 2019, 20:30 bis 20:50 Uhr, NDR Info

Ein Häftling schaut aus seinem Zellenfenster der Untersuchungshaftanstalt Hamburg (UH) am Holstenglacis. © dpa-Bildfunk Foto: Christian Charisius

Leben in U-Haft

NDR Info - Das Forum -

Immer mehr Menschen warten in deutschen Untersuchungsgefängnissen auf ihren Prozess. Dabei nehmen die Straftaten ab. Eine NDR Recherche beleuchtet die Hintergründe

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Ein Feature von Christoph Heinzle, Elke Spanner und Carl-Georg Salzwedel

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Die Zahl der Untersuchungs-Häftlinge hat sich in Hamburg in den vergangenen Jahren fast verdoppelt.

Die Zahl der Untersuchungsgefangenen in Deutschland ist von 2014 bis 2018 um 25 Prozent gestiegen. Nahezu verdoppelt hat sie sich dabei in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen. Das ergaben Berechnungen des NDR auf Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes. Die Zunahme ist bemerkenswert, weil die Zahl der Straftaten, Tatverdächtigen, Verurteilten und Haftstrafen in den vergangenen Jahren gesunken ist.

In einer Umfrage des NDR unter allen 16 Justizministerien werden mehrere mögliche Faktoren für den deutlichen Anstieg bei den Untersuchungsgefangenen genannt: die zugenommene Zahl ausländischer Tatverdächtiger, die verstärkte Bekämpfung einzelner Straftaten und lange Verfahren. Nach einer Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes für den NDR gab es 2017 unter den in der Strafverfolgungsstatistik Erfassten 26 Prozent mehr Ausländer mit Untersuchungshaft als 2014. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Deutschen in U-Haft um acht Prozent.

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Bei Ausländern wird häufiger auf Fluchtgefahr als Haftgrund entschieden, vor allem wenn sie keinen festen Wohnsitz und keine sozialen Bindungen in Deutschland haben. Die Zahl der Gefangenen, die länger als sechs Monate in Untersuchungshaft sind, ist seit 2014 um 25 Prozent gestiegen. Nach Angaben von Justizbehörden, Richtern und Anwälten sind zudem Ermittlungs- und Strafverfahren in den vergangenen Jahren komplexer und langwieriger geworden. Tatverdächtige sitzen dann nicht selten bis zu einem rechtskräftigen Urteil in U-Haft.

Hamburg nimmt eine herausgehobene Stellung in den Statistiken ein. Die Hansestadt hat – bezogen auf die Einwohnerzahl - die mit weitem Abstand meisten Untersuchungsgefangenen aller Bundesländer, mehr als doppelt so viele wie der Durchschnitt der Länder. Hier hat sich die Zahl der Untersuchungsgefangenen seit 2014 nahezu verdoppelt.

Das Manuskript zur Sendung
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Zahl der U-Häftlinge um ein Viertel gestiegen

Die Zahl der Untersuchungshäftlinge in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Trotz rückläufiger Kriminalität. Ein Rechercheprojekt zu den Ursachen. Download (298 KB)