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Eine ehrenwerte Gesellschaft?

Montag, 11. Februar 2019, 20:30 bis 20:50 Uhr, NDR Info

Ein Beamter des Zolls hält ein Paket, das mit Drogen gefüllt ist, in die Kamera. © dpa-Bildfunk Foto: Daniel Reinhardt

Eine ehrenwerte Gesellschaft?

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Drogenschmuggel hat Galicien - im Norden Spaniens - seit den 1980er Jahren verändert. Die Drogenbosse sind jetzt in Haft. Doch eine Fernsehserie weckt auch positive Gefühle.

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Drogenschmuggel in Galicien
Ein Feature von
Marc Dugge, ARD-Korrespondent in Madrid

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Medieninteresse für einen Drogenboss vor dem Gericht in Pontevedra, Spanien.

Galicien im Nordwesten Spaniens - Santiago de Compostela ist die Hauptstadt. Jahr für Jahr treffen hier Ströme von Pilgern ein, die den Jakobsweg gehen. Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für die Region, die häufig extrem arm war. Bis in die 1980er Jahre gab es Massenauswanderungen - vor allem nach Südamerika.

Wer in Galicien blieb, musste sehen, wie er oder sie klar kam. Etliche suchten den Geldsegen im Schmuggel. Noch vor einigen Jahrzehnten kamen, Schätzungen zufolge, rund 50 Prozent des in Europa konsumierten Kokains und 65 Prozent des Haschisch über Spanien nach Deutschland und andere Länder. Auch Galiciens zerklüftete Küste war in dieser für Schmuggler paradiesischen Zeit an dem Drogenumschlag beteiligt. 1982 verschärfte Spanien die Gesetze, um gegen den Schmuggel vozugehen.

Die Veränderung kam, als Drogensüchtige vor der Haustür lagen

Aber erst als Heroinabhängige auf den historischen Straßen des schönen, kleinen Ortes Cambados lagen und viele Jugendliche begannen Haschisch zu rauchen und härtere Drogen zu nehmen, wuchs auch unter der Bevölkerung die Ablehnung. Allerdings nicht unmittelbar gegen die Schmuggler selbst, die sich häufig wie Gentlemen die Gunst der Bevölkerung erkauften und großzügige Spenden und Investitionen in örtliche Vereine tätigten.

Drogenschmuggel in Galicien

Dass die Bosse in Wirklichkeit den großen Drogenproduzenten Kolumbiens, z.B. dem Medellin-Kartell und Pablo Escobar die Türen nach Europa öffneten, blieb ausgeblendet. Die Geschäfte der Drogenbosse haben Galicien verändert - ohne andernorts viel Aufsehen zu erregen. Durch eine spanische Fernsehserie, kommen die bekanntesten Geschichten ins allgemeine Bewusstsein zurück und werden zum Teil romantisiert. Viele andere Galicier sind froh, dass es heute mutige Ermittler bei der Polizei gibt, einen Verein zur Unterstützung Jugendlicher und eine Presse, die die lässige Haltung zu Drogen nicht unterstützen wollen.

Das Manuskript der Sendung zum Download
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Eine ehrenwerte Gesellschaft?

Im Nordwesten Spaniens galt es lange als Kavaliersdelikt, Drogen zu schmuggeln. Die Region profitierte, die Bosse wurden respektiert. Das ändert sich nun langsam. Download (310 KB)

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