Stand: 14.03.2019 14:43 Uhr

Wenn Facebook ausfällt - und es keiner merkt

Wie ist das, wenn Facebook für ein paar Stunden kaputt ist? Ein Drama für alle Nutzer der sozialen Medien? Oder alles gar nicht so schlimm?

Eine Glosse von Udo Schmidt, NDR Info

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Was ist, wenn wir wegen eines Stromausfalls nicht mehr in den sozialen Netzwerken unterwegs sein können?

Stell dir vor, Facebook fällt aus - und keiner merkt es. Gut, man darf nicht immer von sich selbst ausgehen. Aber ich tue es jetzt mal. Und das Facebook am Mittwochabend stundenlang offenbar abgeklemmt war, ist mir gar nicht aufgefallen. Wie ging es ihnen?

Ich bin sonst gern und regelmäßig auf den Social-Media-Plattformen unterwegs - Facebook, Twitter, sogar Instagram. Aber am Mittwoch hatte ich offenbar meinen persönlichen und von mir selber unbemerkten Fastentag.

Ich habe ein Buch gelesen, wirklich wahr!

Computer-Maus © PantherMedia

Ist ein Leben ohne Facebook ein Drama?

NDR Info - Auf ein Wort -

Facebook war kaputt, für ein paar Stunden war keine Kommunikation in dem sozialen Netzwerk möglich. Ein großes Drama? Nicht unbedingt! Udo Schmidt bittet auf ein Wort.

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Was habe ich gemacht? Nach Hause gekommen, Kaffee getrunken und gelesen - erst Zeitung, dann ein Buch. Kein Scherz. Ich weiß, dass das jetzt etwas sehr klischeehaft klingt. Ein Buch gelesen. Und kein Facebook.

Das soll hier jetzt keine Social-Media-Maschinenstürmerei werden. Auf keinen Fall. Aber es fällt doch auf, dass der Ausfall von Internet-Plattformen sich normalerweise auswirkt wie ein kompletter Stromausfall. Das Leben ist unterbrochen, abgebrochen - irgendwie sinnlos. Und wofür braucht man sonst noch Strom, außer für den Router, den Laptop und den iPad-Akku?

Zu viel Askese ist auch nicht schön

Ich bin ja kein Freund der Fastenzeit. Zu lang, zu viel Askese, worauf auch immer man verzichtet. Aber kurze und dafür heftige Ausfälle, mal eben Mangel an wichtigen Dingen wie Social Media - das ist nicht schlecht.

Früher, in den Siebzigern, gab es mal den autofreien Sonntag als Reaktion auf die Ölkrise. Nicht darauf, dass zu viele Autos zu viele Schadstoffe ausstoßen. Kein Mensch wollte damals auf sein Auto verzichten, diese Diskussion gab es überhaupt noch nicht. Schadstoffe kamen eben aus dem Auspuff und im Winter kringelte sich der Auspuffqualm so niedlich in der kalten Luft. Emissions-Ästhetik statt Diesel-Fahrverbot. Aber am Sonntag mal auf der A irgendwas zwischen Hamburg und Bochum spazieren zu gehen, das war schon ein Erlebnis. Kollektiver Wahnsinn geradezu.

Kollektive Vernunft wäre gut

Wochenlang kein Glas Wein zu einem guten Essen, eigentlich auch bedauerlich. Aber mal ein komplettes Alkoholverbot an einem Wochenende - warum nicht? So gesehen und erlebt in Thailand am Wahlwochenende vor einigen Jahren. Kollektive Nüchternheit - auch ganz schön. Oder einfach ein Wochenende ohne Politiker-Tweets. Donald Trump ist da ja nicht der einzige, der die Kanäle verstopft. Keine Tweets, ohne dass gleich der ganze Strom ausfallen muss. Kollektive Vernunft - viel verlangt, aber gut.

Also: Kein Fasten in den kommenden Wochen, kein Dauerverzicht. Aber wenn wieder etwas ausfällt, bleibe ich entspannt. Und schaue vielleicht mal kurz auf Facebook oder Twitter, was die anderen so dazu sagen. Alles gut, so lange nicht der Fahrstuhl stecken bleibt. Auf solche Spontaneitäten kann ich wirklich verzichten.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 14.03.2019 | 18:25 Uhr