Stand: 19.04.2018 16:59 Uhr

Wann geht Bayerns Polizei "in die Luft"?

Die neue Grenzpolizei in Bayern soll zur Erleichterung ihrer Arbeit mit Drohnen ausgestattet werden. Das ist ein Plan mit Risiken und Nebenwirkungen.

Eine Glosse von Klaus Nothnagel

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Mit dem Einsatz von Drohnen will die Polizei auch von weiter oben den Überblick behalten.

Die bayerische Polizei bekommt ihre eigene "Luftwaffe" - wenn auch nur im Modellflug-Format: 50 Zentimeter Spannweite werden die Drohnen haben; 90 km/h Spitze dürfen vom hoheitlichen Kleinschrauber erwartet werden. Solide motorisierte Verbrecher wird der behäbige Multicopter kaum vor Probleme stellen. Auch die halbe Stunde Reichweite bis zum Nachladen wirkt wenig furchteinflößend.

Aber wir wollen nicht nörgeln - es ist schließlich für die Lufthoheit am blau-weißen Heimathimmel.

Ehrenschleife über Wolfratshausen

Ein Schild Freistaat Bayern an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich an einer Bundesstraße. © dpa picture alliance Foto: Ralph Goldmann

Bayerns Grenze wird auch von oben überwacht

NDR Info - Auf ein Wort -

Die Grenzpolizei in Bayern soll mit Drohnen ausgestattet werden. Wie wird die federleichte Überwachung aus der Luft aussehen? Klaus Nothnagel bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Stellen wir uns Landesvater Markus Söder (CSU) zu Besuch in seiner fränkischen Heimat vor: Über Nürnberg brummen 50 gemächliche Wachdrohnen, mit blau-weißem Rautenmuster auf der Karosserie, aus kleinen Bluetooth-Lautsprechern tönt der traditionell bayerische Defibrilliermarsch.

Oder so: Nach einem Einsatz in Garmisch fliegen zwölf Drohnen eine Ehrenschleife über Wolfratshausen, wo Landesurgroßvater Edmund Stoiber mit Gattin Muschi von der Hollywoodschaukel aus stolz dem Luftpolizeigeschwader zuwinkt.

Erst der Workshop, dann der Führerschein

Ein kleines Problem könnte sich ergeben im bayerischen Luftraum: Drohnenführer wird man durch eine knappe Luftfahrzeugfernführerfortbildungsmaßnahme. Ein paar luftige Wochen Workshop - und schon ist man Fernführer!

Schockierende Vorstellung: Ein Dutzend frischgebackene, immer noch ahnungslose Fernführer lassen begeistert ihre Schrauber steigen, alle zugleich, alle Richtung Osten, wo der Rumäne hinterlistige Wohnungseinbrüche präpariert und der Russe auf multiple Tücke und Gemeinheit sinnt. Gleiche Startzeit, gleiches Tempo, gleiche Richtung: Eine 50-Drohnen-Karambolage erzeugt einen unförmigen Klumpen Elektronikschrott. Wie am Himmel, so auch auf Erden - kurz danach.

Was alles möglich ist ...

Aber wenn es dann mal alles richtig läuft mit Mensch und Maschine, dann kann die Drohne ganz allein in fremde Wohnungen einfliegen und dort pikante Fotos machen. Sie kann Kriminelle aus 50 Metern Höhe verfolgen, wenn ihr Akku-Ladestand es erlaubt. Auch über Gewässern fliegt sie tadellos - anders als mancher Bundeswehrhubschrauber. Der staatlich bayerische Multicopter kann sogar mitten in einem tarnenden Maisfeld eine verbotene Cannabis-Plantage finden und melden. Nur ernten müssen dann andere.

Die Gewerkschaft hat noch Bedenken

Zurzeit steht die Weiterentwicklung der Drohne leider still. Die Bayerische Polizeigewerkschaft blockiert die Erprobung, weil die Drohne nicht nur Daten von Verdächtigen aufzeichnen kann, sondern auch alle möglichen Daten des Luftfahrzeugführers, der mit dem Joystick am Boden steht und die Drohne steuert.

Dehnt der seine Brotzeit auf doppelte Länge, notiert es die Drohne und plappert es dem Vorgesetzten aus. Und darum geht es zurzeit nicht weiter mit der bayerischen Polizeiluftwaffe. So schützt der Mensch den Menschen vor der Drohne.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 19.04.2018 | 18:25 Uhr