Stand: 22.05.2019 15:34 Uhr

Wahlwerbung für Europa? - Ab in die Tonne!

Europa wählt - und das bedeutet auch, dass unzählige Flyer mit Parteiwerbung in Fußgängerzonen und Einkaufsstraßen verteilt werden - und dann die Abfalltonnen füllen.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Es ist in diesen Tagen wirklich schwer, die Wahlwerbung zu übersehen - wo auch immer.

Mit Recht darf ich behaupten, am Sonntag als umfassend informierter Europawähler an die Urne zu schreiten. Das verdanke ich wesentlich meiner Wohnlage in einem Prospekt-Cluster des regionalen Einzelhandels, in dem jetzt auch alles, was auf Fahrrädern mit Satteltaschen für ein ganz neues Europa auf den Reifen ist, vor meiner Haustür in die Eisen geht und die nächste Verheißung in den Briefkasten quetscht.

Jetzt habe ich ein thematisch sortiertes Ablagesystem eingerichtet, das mir die Wahl erleichtern soll. Stapel eins fragt: Will ich entweder ein entschlossenes Europa mit Mut zur Veränderung oder eines in Frieden und Wohlstand mit gleichen Chancen für alle oder wünsche ich ein gerechtes und solidarisches mit guten Löhnen? Stehe ich eher auf ein nachhaltiges Europa mit starker Zivilgesellschaft und fairer Arbeit, was immer das sein mag, oder bevorzuge ich einen Kontinent, in dem es allen gut geht - falls Google und Amazon Steuern zahlen? Nicht einfach!

Eine Frau sieht sich einen Flyer an einem Wahlkampf-Stand der Partei Bündnis 90/Die Grünen an. © dpa picture alliance Foto: Daniel Schäfer

Die Flyer-Flut zur Europawahl

NDR Info - Auf ein Wort -

Wahlkampf in Europa bedeutet auch, dass unzählige Flyer mit Parteiwerbung verteilt werden und die Briefkästen verstopfen. Detlev Gröning schildert in seiner Glosse eigene Erfahrungen.

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Auf Stapel zwei liegen alle, die den globalen Herausforderungen mit neuen Lösungen begegnen und Ziele gemeinsam erreichen wollen, zusammen mit denen, die dem rasanten Wandel Innovation und Bildung entgegensetzen. Auch eine schwere Entscheidung.

Stapel drei wendet sich im Wesentlichen gegen Bösartigkeit, Bienensterben und Batteriehühner, da fehlen mir allerdings neue Sachlichkeit, Reformbereitschaft und ein Bekenntnis zur Heimat. Aber der Tag ist ja noch lang. Vor zehn Minuten erreichte mich das Faltblatt für ein offenes, vielfältiges Europa der Menschen und Kulturen - nicht zu verwechseln mit dem sicheren Europa der Vaterländer von heute Mittag. Vielfältig und sicher wäre schön, habe ich in dem Wust auch schon irgendwo gesehen, das käme dann auf Stapel vier mit dem sozialen Europa, das der Bevölkerung dient.

Sorgen macht mir dagegen das Versprechen einer europaweiten Bürgernähe - ein wahlkämpfender Portugiese an der Haustür käme mir im Moment sehr ungelegen, denn in meiner Stadt ist gerade Bürgermeisterwahl und da könnte jederzeit einer klingeln, der Chancen ergreifen und unsere Stadt voranbringen will.

So genau will man das alles ja gar nicht wissen. Darum mache ich auf abwesend - und die Tür nicht auf. Der kann ja seinen Flyer da lassen. Für den und alle, die noch kommen, habe ich extra einen neuen Briefkasten vor die Tür gestellt. Der ist grün und gut einen Meter hoch, da ist ordentlich Luft nach oben. Also: einfach Deckel hoch und rein damit!

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 22.05.2019 | 18:25 Uhr